Nachtzug ins Schattenreich
Über eine längere Weile hin verdämmert das Licht, und irgendwo im Off, in den Katakomben der Träume, spielt Elisabeth Leonskaja Schumanns «Geistervariationen» von 1854. Unter diesem Namen sind sie bekannt geworden, weil eine Engelserscheinung (oder aber jene Schuberts) das Thema vorgegeben haben soll.
Es passiert im Theater an der Wien, gegen Ende des letzten Musiktheaterabends der diesjährigen Wiener Festwochen, einer merkwürdigen Allianz von Béla Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» und dem Schumann’schen Schwanengesang – sind die Es-Dur-Variationen doch der letzte Hilfeschrei des Komponisten vor seinem Abtauchen in ein Paralleluniversum. Er war der Welt abhanden gekommen, fremd war sie ihm geworden, trügerisch. In Pascal Merciers «Nachtzug nach Lissabon» schreibt Amadeu de Prado, der Goldschmied der Worte, den wunderbaren Satz: «Und so sind wir uns doppelt fremd, denn zwischen uns steht nicht nur die trügerische Außenwelt, sondern das Trugbild, das von ihr in jeder Innenwelt entsteht ...». Schumann ist an dieser Fremdheit wohl zerbrochen.
Der Mann, der vorher Blaubart war, scheitert in Wien ebenfalls. Kurz und ziellos erscheint er im zweiten Teil dieses Abends, Zeilen aus Béla ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché
Die 1984 gegründete Berliner Lautten Compagney hat sich international besonders mit Opern von Georg Friedrich Händel einen Namen gemacht. Bei einer Produktion des frühen Londoner Erfolgsstücks «Rinaldo» (1711) arbeitete sie zum ersten Mal mit dem italienischen Marionettentheater Carlo Colli & Figli zusammen, das auf eine Tradition von 200 Jahren zurückblicken kann...
JUBILARE
Martha Dewal kam 1935 im Schweizer Kanton Zürich zur Welt und studierte Gesang in Wien, wo neben Elsa Schwientek-Würtenberger u. a. auch Anton Dermota und Joseph Greindl zu ihren Lehrern zählten. Nach ersten Festengagements in Salzburg und Oldenburg wurde die Zwischenfach-Spezialistin 1974/75 Ensemblemitglied am Ulmer Theater, dem sie bis heute treu...
Gespenstisch ist das. Weniger der Holländer selbst – eher, was sich in Balázs Kovaliks vieldeutig ironischer Inszenierung von Wagners Oper im Budapester Palast der Künste in den Chorszenen tut. In Reih und Glied, im Gleichschritt marsch, die Augen rechts, manche Gesten sind so hohl, dass ganze Völker darin Platz haben. Wimpel werden geschwungen, Nationalflaggen...
