Nachtzug ins Schattenreich
Über eine längere Weile hin verdämmert das Licht, und irgendwo im Off, in den Katakomben der Träume, spielt Elisabeth Leonskaja Schumanns «Geistervariationen» von 1854. Unter diesem Namen sind sie bekannt geworden, weil eine Engelserscheinung (oder aber jene Schuberts) das Thema vorgegeben haben soll.
Es passiert im Theater an der Wien, gegen Ende des letzten Musiktheaterabends der diesjährigen Wiener Festwochen, einer merkwürdigen Allianz von Béla Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» und dem Schumann’schen Schwanengesang – sind die Es-Dur-Variationen doch der letzte Hilfeschrei des Komponisten vor seinem Abtauchen in ein Paralleluniversum. Er war der Welt abhanden gekommen, fremd war sie ihm geworden, trügerisch. In Pascal Merciers «Nachtzug nach Lissabon» schreibt Amadeu de Prado, der Goldschmied der Worte, den wunderbaren Satz: «Und so sind wir uns doppelt fremd, denn zwischen uns steht nicht nur die trügerische Außenwelt, sondern das Trugbild, das von ihr in jeder Innenwelt entsteht ...». Schumann ist an dieser Fremdheit wohl zerbrochen.
Der Mann, der vorher Blaubart war, scheitert in Wien ebenfalls. Kurz und ziellos erscheint er im zweiten Teil dieses Abends, Zeilen aus Béla ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché
Elisabeth Stöppler setzt in ihrer Mainzer Inszenierung von Luigi Cherubinis Opernversion der finstersten aller griechischen Tragödien auf eine puristisch strenge Ästhetik. Weiß und Schwarz herrschen vor auf der Bühne und in den Kostümen. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir in Annika Hallers leerem, mit gleißenden Wänden abgeschottetem Raum Dircé...
Schmal ist er geworden, mit zwei Krücken tastet er sich auf die Bühne. Bei der Grazer STYRIARTE etwas absagen, das kam für Nikolaus Harnoncourt bislang nicht infrage. Dieses Jahr ist es zum Start passiert. Doch bei Beethovens «Missa solemnis» hat der 85-Jährige noch viel mitzuteilen und wagt dies erstmals mit dem Concentus Musicus. Die Aufführung erschüttert, weil...
Gegen den Strich» dieses Motto für die letzten von ihr verantworteten KunstFestSpiele Herrenhausen taugt vielleicht auch als Überschrift für die ganzen sechs Jahre, in denen Elisabeth Schweeger versuchte, einen der bedeutendsten Barockgärten Europas, der zuvor meist als Kulisse für Barockes, Kleinkünstlerisches und Feuerwerk diente, für die Moderne zu öffnen. Der...
