Nach Gutsherrenart

Das Freiburger Kulturdesaster - ein deutsches Trauerspiel

Ich schreite kaum, doch wähn’ ich mich schon weit.» Vielleicht ist das Leben doch eine Oper. Parsifals Erkenntnis auf dem Weg zum Gralstempel könnte aus Politikermund kommen.

Freiburgs lokale Spitze zum Beispiel strapaziert derzeit die bundespolitische Leerformel vom «Schritt in die richtige Richtung», wähnt sich vermutlich schon weit, wenn sie gebetsmühlenartig ihre Lippenbekenntnisse zum Drei­spartentheater in Deutschlands südwestlichster (kleiner) Großstadt repetiert und offenbart –ungewollt – doch nur eines: die erschreckende Gleichgültigkeit der Politik gegenüber der Kunst in diesem Land, das dem Neoliberalismus als Staatsziel weit näher steht als dem Schutz seiner eigenen Kultur...
Der Vorgang an sich wäre eine Lokalposse, erkennte man darin nicht so viele Alarmsignale zum Zustand einer deutschen Politik. Da zieht ein grüner Oberbürgermeister im Kampf gegen riesige Haushaltslöcher die Notbremse, unterstützt von einer meist schwarz-grünen Allianz im Gemeinderat. Honorabel. Die Botschaft lautet: Überall muss gekürzt werden. Doch Dieter Salomon hat im Kampf gegen die Versäumnisse früherer Politikergenerationen den Sündenbock schon ausgemacht: die Kultur. Nassforsch gewachsene ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Kommentar, Seite 80
von Alexander Dick

Vergriffen
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