Mythen, Sex und Edelmaß
Vivaldis «Juditha triumphans» und Verdis «Attila» als Teile eines zusammenhängenden Opernabends zu präsentieren, der (mit kurzen Unterbrechungen) von 18 Uhr bis Mitternacht währt, mag zunächst nach einem Wagnis klingen. Doch auf den zweiten Blick finden sich in den Sujets der Stücke so viele Parallelen, dass die Paarung durchaus Sinn macht. So geht es hier wie dort um die Befreiung der «wahren Gläubigen» aus den Klauen eines lüsternen, heidnischen Kriegsherrn. Und in beiden Werken sind es der Liebreiz und das scharfe Schwert einer schönen Frau, die das Freiheitswerk vollenden.
Eine weitere Gemeinsamkeit besteht in der Mythologisierung der Geschichte(n) um die Gründung Venedigs: Die Serenissima wird als christliches Bollwerk gegen türkische Gefahr dargestellt – ein Topos, der sich wie ein roter Faden durch beide Libretti zieht.
Freilich ist Vorsicht geboten: Auch wenn man im Programmbuch des Festivals lesen kann, dass schon Vivaldi an eine szenische Aufführung seines auf einen lateinischen Text komponierten Oratoriums gedacht habe, gibt es für diese Vermutung keinerlei Belege. Weder das 1716 erschienene Libretto noch die in der Turiner Biblioteca Nazionale aufbewahrte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Plappern gehört zum Handwerk. Siegfried Matthus, Komponist und Impresario im brandenburgischen Rheinsberg, war noch nie auf den Mund gefallen, wenn es um die Beförderung der eigenen Sache ging. Ohne seine PR-Arbeit wäre die Idee, am Jugendsitz des Preußenkönigs Friedrich II. ein Festival für Nachwuchssänger einzurichten, wohl nie realisiert worden. «Kammeroper...
Antonio Pappano bekommt leuchtende Augen, wenn er über die Arbeit mit Christof Loy an Bergs «Lulu» spricht. Da haben sich anscheinend zwei gesucht und gefunden: ein Regisseur mit tiefem Musikverständnis und ein Dirigent, der das Theater leidenschaftlich liebt. Das Ergebnis ist ein seltener Glücksfall heutigen Musiktheaters, der an dieser Stelle anlässlich der...
Die Kulturnation Österreich feiert ihre Liebe zur Musik im Sommer nicht nur bei den teuer subventionierten Salzburger Festspielen. Fast noch eindrucksvoller sind die vielen kleinen Festivals in der Provinz, wo mit großem persönlichen Einsatz und kleinen Budgets oft auf höchstem Niveau musiziert wird. So etwa bei dem im Jahr 1994 gegründeten Damtschacher Sommer, der...
