Umtausch ausgeschlossen

Mozart: Die Zauberflöte Bern / Theater

Wir befinden uns im Kaufhaus «Sarastro’s», dessen Firmenlogo mit dem großen S ganz zufällig dem Dollarzeichen gleicht. Hoch oben im zehnten Stockwerk residiert der geheimnisvolle Boss, umringt von seinen Logenbrüdern mit Kapitalistenzylindern auf dem Kopf. Und unten im Keller rumort zwischen allerlei Gerümpel die Königin der Nacht. Die szenische Klammer bildet der Aufzug, dessen Automatiktür das ganze Bühnenportal deckt. Mit einem einfachen Trick – senkrecht bewegliche Wandstreifen links und rechts – wird der Eindruck der Auf- und Abwärtsfahrt hervorgerufen.

Das ist nicht nur witzig, sondern auch funktional, was die Szenenwechsel angeht. Denn die Handlung spielt auf den diversen Verkaufsetagen, wobei das Warenangebot als Requisite und Dekoration dient. Die drei Damen verkaufen Parfümerie im Parterre, die Schlange im ersten Bild ist ein Plastik-Dino aus der Spielzeugabteilung, und wenn sich Monostatos über Pamina hermacht, zerrt er sie in die Umkleidekabine. In der Bildnis-Arie singt Tamino eine nackte Schaufensterpuppe an. Das Leben, ein Kaufhaustraum. Und die «Zauberflöte» ein Märchen aus der kapitalistischen Warenwelt.

Aber wie es mit dem Kapitalismus halt so ist: Geheimnisse, ...

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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Max Nyffeler