Mordfantasien
Man liest es und staunt. «Mordgedanken» hat Katharina Ruckgaber ihren kleinen Essay im Booklet überschrieben – und führt im Folgenden tatsächlich aus, wie es ist, wenn man solche Aufwallungen in sich spürt und wenn man, vor allem aus Eifersucht, zur Mörderin werden kann, um eine Rivalin (im wahrsten Sinn) auszustechen. Doch keine Angst, hier wird niemand getötet.
Was die Sopranistin, die seit einiger Zeit Ensemblemitglied am Freiburger Theater ist, sich womöglich in ihren schlimmsten Fantasien vorzustellen bereit ist, erweist sich beim Hören als ein klug-griffiges Konzeptalbum, welches darüber hinaus den veritablen stilistischen Facettenreichtum dieser Sängerin zeigt.
Von Mozart bis Weill, von Liszt bis Georg Kreisler reicht die Palette der Lieder, die Katharina Ruckgaber in Kapiteln geordnet hat. Ein wesentlicher Satz, zauberhaft gesungen und zugleich die Fragilität dieses «Bereiches» benennend, fällt gleich im ersten Lied, «Heiß mich nicht reden» von Hugo Wolf auf Goethes Verse: «Ich möchte dir mein ganzes Innres zeigen, / Aber das Schicksal will es nicht.» Will es aber doch, denn Ruckgaber und ihr famoser Partner Jan Philip Schulze (er gehört gewiss zu den klangsensibelsten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 23
von Olga Myschkina
Wo ist die Bühne? Außen oder innen?», fragt der Schauspieler und Tänzer Nicolas Franciscus (auf Ungarisch) im Prolog zu Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» am Theater Basel. Christof Loy mag vor allem Bilder, die im Inneren des Betrachters entstehen. Deshalb meidet er auch in dieser Regiearbeit, einer Koproduktion mit dem Teatro Real in Madrid, ein allzu...
Boris Juchananow, ein Schüler von Anatolij Wassiljew, Adept des antipsychologischen, mythisch-poetischen Theaters und gegenwärtig einer der wichtigsten Theoretiker der russischen Theaterwissenschaft, hält sein Elektrotheater Stanislawski in Betrieb, obwohl ein eisiger, kriegsbedingter Wind durch Moskau weht. In seinem Theater gab es immer wenig Publizistisches und...
Die Geschichte klingt kitschig, ist aber, wie der Sänger glaubhaft versichert, wahr und geht so: Zu seinem sechsten Geburtstag bekam Denys Pivnitskyi das legendäre Drei-Tenöre-Album mit Pavarotti, Domingo und Carreras geschenkt, hörte es ungezählte Male, trällerte bald die Hits mit – und hatte fortan nur noch einen Wunsch: Opernsänger zu werden. «Nicht wir wählen...
