Monstertrachten, Feuerzungen
Das Stück beginnt lange vor dem Stück. Während die freilufterfahrenen und mit Kissen ausgerüsteten Schweriner ihre Plätze suchen, tummelt sich das «Freischütz»-Volk schon auf der Bühne. Es lacht und trinkt, die Mädchen machen schöne Augen, die Männer zielen auf eine Scheibe. Die Ouvertüre setzt ein, alle geben die Bühne frei für das Orchester, allerdings nur im übertragenen Sinne: Sichtbar sind die Musiker nicht. In den vergangenen Jahren war die Präsenz der Mecklenburgischen Staatskapelle bei den Schlossfestspielen optisch immerhin zu ahnen.
Jetzt sind die Musiker hinter den Kulissen verschwunden. Platz für einen Graben gibt es nicht. Auf dem Alten Garten, dem traditionellen Spielort, wird dieses Jahr gebaut, und so sind die Schlossfestspiele ins Freilufttheater im Schlossgarten ausgewichen, wo normalerweise Rock- und Pop-Konzerte stattfinden.
Trotz des Kompromisses eine glückliche Entscheidung. Das Amphitheater wirkt wie eine (Wolfs-) Schlucht, die wichtigsten Kulissen stellt die Natur selbst in Form herrlicher alter Bäume bereit. Bühnenbildner Lutz Kreisel braucht nur einige romantische Klosterruinen – modelliert nach den Ruinen des mecklenburgischen Klosters Eldena – ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Udo Badelt
Im Umgang mit seinen Musikern war Leos Janácek nicht zimperlich. «Wenn Sie das nicht spielen können, dann lernen Sie es eben», sagte er einem verzweifelten Geiger, der mit den ungewohnten Schwierigkeiten seines Parts nicht zurecht kam. Und auf die Frage, wie eine ob der undefinierbaren Kalligrafie des Meisters kaum zu entziffernde Stelle zu spielen sei, antwortete...
Zum Abschluss der an entdeckerischem Wagemut wahrlich nicht armen Saison wartete die Oper Frankfurt mit zwei weiteren Premieren abseits des üblichen Repertoires auf. Beide Stücke, Marc-Antoine Charpentiers «Médée» und Aulis Sallinens «Kullervo», spielen in mythischer Vorzeit, also heute. Beide Male, in der 1693 uraufgeführten Barockoper wie in der fast genau...
Frau Erdmann, beginnen wir apodiktisch. Es wird behauptet, Künstler seien abgehobene Wesen. Womöglich ein falsches Bild. Aber es ist in der Welt. Wer transportiert dieses Bild?
Na ja, wer transportiert das? Das sind schon die Medien.
Wer gibt den Medien die Informationen, ohne die sich ein solches Image kaum fügen lässt?
Vielleicht wollen die Menschen genau das im...
