Mittelwege

Drei Neuaufnahmen der «Magelone»-Romanzen von Johannes Brahms

Opernwelt - Logo

Anders als Schubert und Schumann hat der Liederkomponist Brahms keinen wirklichen Zyklus geschrieben, wenn man als Bedingung der Form eine lineare Dramaturgie voraussetzt. Am nächsten ist er ihr noch mit den «Romanzen aus Ludwig Tiecks Magelone» op. 33 gekommen.

Die Texte der fünfzehn sukzessiv in den Jahren 1861 bis 1868 entstandenen und in fünf Einzelheften veröffentlichten Lieder entnahm er Tiecks «Wundersamer Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter aus der Provence», der romantischen Bearbeitung eines spätmittelalterlichen, ursprünglich französischen, dann deutschen Volksbuchs.

Brahms löste die Texte aus der Vorlage heraus und vertonte die innigen, so schlichten wie fantastischen Liebesgedichte als musikalische Gebilde eigener Art, die mit ariosen, ja epischen Zügen das sonst von ihm favorisierte lyrische Strophenlied überformen. Ähnlich kühn sind nur noch seine allerdings ungleich populäreren «Vier ernsten Gesänge», entsprechend hoch und anspruchsvoll die Anforderungen an die Interpreten.

Wie es der Zufall will, sind gleichzeitig drei Neuaufnahmen erschienen, von denen aber keine wirklich überzeugen kann. Der niederländische Bariton Thomas Oliemans, ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 29
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Wunderbar wandelbar

Weder Musik, in der man schwimmt, noch Musik, auf der man tanzt – MUSIK, AUF DER MAN GEHT» forderte Jean Cocteau 1918 in seinem Manifest «Le coq et l’arlequin», das sich die jungen Komponisten der Pariser Groupe des Six um Darius Milhaud, Arthur Honegger und Francis Poulenc zu eigen machten. Ihr schnörkelloser, jede Emotion verweigernder Anti-Impressionismus sagte...

O Wort, das mir fehlt!

Als am Ende der Bonner Aufführung von Arnold Schönbergs biblischer Oper «Moses und Aron» die letzten Streichertöne verklingen, das Licht auf der Szene erlischt, der Vorhang sich schließt und, bevor der erlösende Beifall losbricht, mehrere Sekunden lang beklommenes Schweigen herrscht, gibt es wohl kaum einen Zuschauer, dem nicht die Verzweiflung des in sich...

Im Schlachthaus

Rauchen, das weiß ein jedes Kind, ist ungesund. Aber stört das einen Oberpriester, der in direktem Kontakt mit der höchsten Instanz steht? Natürlich nicht. Also raucht Ramfis, dem Andreas Bauer Kanabas mit seinem markanten, grabesdunklen Bass furchterregende Präsenz leiht, eine nach der anderen. Scheint nicht gut drauf zu sein, der Mann, der natürlich auch kein...