Mit Haut und Haar

Pietro Mascagnis «Guglielmo Ratcliff» aus Wexford, «Cavalleria»/«Pagliacci» aus London

Als 18-jähriger Student am Mailänder Konservatorium lernte Pietro Mascagni Heines einaktiges Drama «William Ratcliff» in einer Übersetzung von Andrea Maffei kennen und fühlte sich spontan zu einer Vertonung inspiriert. Damals waren in Italien im Zuge der späten Entdeckung Wagners romantische Stoffe deutscher Provenienz in Mode, man denke an Catalanis «Loreley» und Puccinis «Le Villi».

Die Arbeit ging in den folgenden Jahren mit Unterbrechungen voran, die mit den Lebensumständen des Komponisten zusammenhingen – er musste sich als Dorfschulmusiker durchschlagen, um seine Familie zu ernähren –, doch kein Verlag und kein Theater interessierte sich für sein Anfängerwerk. Durch die Teilnahme an dem Wettbewerb des Sonzogno-Verlages und dem triumphalen Erfolg der «Cavalleria rusticana» (1890) wurde Mascagni «über Nacht» berühmt, und so konnte er es wagen, den geliebten Erstling fertigzustellen und an der Mailänder Scala herauszubringen. Dort hatte dieser 1895 einen Achtungserfolg und wanderte bald darauf ins Archiv. Das Intermezzo sinfonico hat wenigstens im Konzertsaal überlebt.

Musikhistorisch ist das Werk schon insofern interessant, als es sich um eine der ersten Literaturopern ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Ekkehard Pluta

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