Mit freundlichen Füßen
Ein problematischer Stoff: Eine Frau lebt sich aus, ein Mann verfällt ihr, riskiert für Sex und Liebe seine berufliche Existenz – und am Ende bezahlt sie, die nach Freiheit strebende, durchaus für körperliche Auseinandersetzungen zu habende (halb-)kriminelle Nomadin, mit ihrem Leben. Denn – das ist der Kniff an der Handlung von «Carmen» – ihr Ruf muss nicht erst ruiniert werden! Ihre Gesichter verlieren die Männer.
Sicher, wenn ein Mann seinen domestizierten Familientraum an der Seite von Gattin, Frau Mama und womöglich alsbaldigem Nachwuchs aufgeben muss: Das verlangt(e) nach blutiger Rache. Wir Männer bestimm(t)en die Welt. Und der Körper der Frau taugt(e) nur für diskrete Affären auf der einen oder für das Gebären von Kindern auf der anderen Seite. Selbstbewusste Frauen, die so viel Sex haben, wie sie halt wollen: Noch heute sind sie Opfer von Lästerei und übler Nachrede. Provokation durch Freiheit. Dörflichkeit ist überall. Nicht nur im historischen Sevilla.
In der aktuellen «Carmen» am Staatstheater Nürnberg sehen wir einen charmant abgewrackten Marktplatz (Bühnenbild: Heike Scheele), mit Galerie, Seiteneingängen und einer Bühne (auf der Bühne). Micaëla wird von den sich ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Arno Lücker
Herr Bauer Kanabas, Sie scheinen auf Könige abonniert zu sein: Sie sind Marke im «Tristan», Philipp II. in «Don Carlo», Heinrich im «Lohengrin», auch René in «Iolanta» oder Herzog Blaubart. Liegen Ihnen die Herrscher stimmlich besonders gut, oder ist das eher eine emotionale Sache?
Das trifft beides zu! Ich sehe mich als Basso cantante: Die Königsrollen brauchen...
Just am Morgen der Premiere wird die Vertragsverlängerung des Intendanten bekanntgegeben: Aviel Cahn, der seit der Saison 2019/ 20 das Grand Théâtre de Genève leitet, wird bis 2029 im Amt bleiben. Dieser Vertrauensvorschuss erlaubt dem Schweizer neben seiner Politik der beherzten Öffnung des Hauses nicht zuletzt, seine programmatischen Linien fortzuspinnen, etwa...
Pierre Jodlowski hat sein 80-minütiges Musiktheater dem Mathematiker Alan Turing gewidmet. Sein genreübergreifendes Kammermusikwerk für eine Sängerin, einen Schauspieler, fünf Musiker und audiovisuelle Geräte ist voller Widersprüchlichkeiten – ähnlich wie das Leben des Protagonisten. Turing war ein Held im Hintergrund des Zweiten Weltkriegs: mathematisches Genie...
