Mit freundlichen Füßen

Vera Nemirovas lebendig-tote «Carmen» in Nürnberg

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Ein problematischer Stoff: Eine Frau lebt sich aus, ein Mann verfällt ihr, riskiert für Sex und Liebe seine berufliche Existenz – und am Ende bezahlt sie, die nach Freiheit strebende, durchaus für körperliche Auseinandersetzungen zu habende (halb-)kriminelle Nomadin, mit ihrem Leben. Denn – das ist der Kniff an der Handlung von «Carmen» – ihr Ruf muss nicht erst ruiniert werden! Ihre Gesichter verlieren die Männer.

Sicher, wenn ein Mann seinen domestizierten Familientraum an der Seite von Gattin, Frau Mama und womöglich alsbaldigem Nachwuchs aufgeben muss: Das verlangt(e) nach blutiger Rache. Wir Männer bestimm(t)en die Welt. Und der Körper der Frau taugt(e) nur für diskrete Affären auf der einen oder für das Gebären von Kindern auf der anderen Seite. Selbstbewusste Frauen, die so viel Sex haben, wie sie halt wollen: Noch heute sind sie Opfer von Lästerei und übler Nachrede. Provokation durch Freiheit. Dörflichkeit ist überall. Nicht nur im historischen Sevilla.

In der aktuellen «Carmen» am Staatstheater Nürnberg sehen wir einen charmant abgewrackten Marktplatz (Bühnenbild: Heike Scheele), mit Galerie, Seiteneingängen und einer Bühne (auf der Bühne). Micaëla wird von den sich ...

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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Arno Lücker

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