Mit Bayreuth wird man nie fertig
I.
Ist er es? Sitzt er da wirklich wieder vor dem Weihenstephan? Dem Hotel nicht weit vom Bahnhof, in dem er, so erzählt man in Bayreuth, jedes Jahr zur Festspielzeit absteigt? Ja, er ist es wirklich. Ein wenig missmutig blinzelt René Kollo (77) in die Sonne. Diese Hitze! Den Rotwein hat er fast geleert, die Zigarre ist fast aufgeraucht. Nur noch eine Stunde bis zur Generalprobe «Götterdämmerung». Auf dem Hügel haben wir ihn dann aber nicht gesehen.
Auch nicht, als Kirill Petrenko im Festspielhaus die anderen drei «Ring»-Teile ein letztes Mal vor der Premiere durchging. Erst hinterher war er wieder da. Unten im Weihenstephan.
Es ist still geworden um René Kollo. Lange her, seit er oben Lohengrin, Stolzing, Parsifal, Siegfried gesungen hat. Und Tristan. Das letzte Mal 1982. Unter Daniel Barenboim, in der Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle. Gestaute Zeit, hemmungsloses Schwelgen, molto legato. Alles passé, sagen die verkniffenen Augen. Den Kram, der heute so in Bayreuth durchgeht, hat Wagner nicht verdient, sagt die gefurchte Sorgenstirn. Egal. Sobald die Musik spielt auf dem Hügel, muss er in der Nähe sein.
Kurz vor Mitternacht. Kollo hat sich zurückgezogen. Am Nebentisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Albrecht Thiemann
Herr Alagna, mit Rollen wie Énée und dem Cid haben Sie sich enorm entwickelt. Ist Vasco da Gama jetzt der größte Schritt für Sie?
Énée war ein viel größerer, ebenso Lancelot in «Roi Arthus» kürzlich in Paris. Und wenn man «Pagliacci» und «Cavalleria rusticana» an einem Abend singt, ist das auch kein Kinderspiel ... Also: nein, eigentlich nicht. Mit Eléazar in «La...
Rossini hat Olga Peretyatko Glück gebracht. Auftritte beim Festival in Pesaro haben ihrer Karriere seit 2006 jenen Schwung gegeben, der sie an viele große Bühnen der Welt führen sollte. Einige Rossini-Arien hatte die Sängerin schon auf ihrem vor vier Jahren erschienenen Debütalbum «La bellezza del canto» gesungen, das jüngste Album ist nun ganz der Musik dieses...
Wie ein Meeresarm liegt er da, der Sankt-Lorenz-Strom, mehr als ein Kilometer sind es von Ufer zu Ufer. Ein erhabener Anblick. Und ein Gegenbild zu den monotonen Wald- und Agrarlandschaften, die der Highway von Montréal durchmisst. Erst auf dem Pont Pierre-Laporte wird uns so richtig bewusst, dass Québec am großen Wasser liegt: schon vor den Toren der Stadt ein...
