Mission: Possible

John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» aus Los Angeles, Jennifer Higdons «Cold Mountain» aus Santa Fe

Amerikanische Oper? Ein Schmerzenskind. Die wichtigsten Beispiele, George Gershwins «Porgy and Bess», Scott Joplins «Treemonisha» und Leonard Bernsteins «Candide» tendieren zum Jazz, zum Ragtime oder zum Musical; Samuel Barbers «Vanessa» war ein Misserfolg. Erst im Rahmen der Minimal Music, bei John Adams, Steve Reich und Philip Glass, kommt die Gattung idiomatisch zu Kräften. Anders gesagt: Eine CD-Reihe der amerikanischen Oper zu widmen, wie das Label Pentatone es tut, scheint so verwegen wie lobenswert.



Dabei zeigt sich, dass neuere Werke eher den Anschluss an Europa als an die eben genannten Vorgänger suchen. John Corigliano ist einer der prominentesten US-amerikanischen Komponisten. Seine bislang einzige Oper «The Ghosts of Versailles» (1991 mit Teresa Stratas, Renée Fleming und Marilyn Horne uraufgeführt) blickt inzwischen auf eine solide Aufführungsgeschichte zurück. Auch James Conlon standen 2015 in Los Angeles mit Patricia Racette und Patti LuPone Sängerinnen von Gnaden zur Verfügung.

Coriglianos Beaumarchais-Oper ist die zweite Vertonung des ursprünglich dritten Teils der Figaro-Trilogie (der auch Darius Milhauds «Mère coupable» zugrunde liegt). Sie spielt zwanzig Jahre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Aus dem Leben eines Taugenichts

Chris, du führst Liz jetzt rüber zu dem Tisch da. Die andern ­halten sie fest, du reißt ihr das Höschen runter, und dann legt Andrew los.»

«Ähm, was für ein Höschen hat sie denn?», frage ich. «Doch nicht so ein steifes Ding oder Strapsen-Salat?»

«Sie trägt zwei Paar. Eins für dich zum Ausziehen, und noch eins drunter, na, für sich halt. Wirst sehen, das flutscht.»

«Gu...

Totenkopf und Teufelshörnchen

So problematisch Arrigo Boitos ideengeschichtliche Dämpfung der Erstfassung seines «Mefistofele» und der Rückgriff auf Elemente des traditionellen italienischen Melodramma sein mögen, das Werk enthält in seiner finalen Gestalt von 1875 etliche saftige Stücke fürs melomane Publikum und szenisch Packendes. Man muss das Lob ja nicht so überziehen wie Bernard Shaw, der...

Die Würde hat ihre Leere

Da horchen Kenner der Wagner-Diskografie auf: Einen «Lohengrin» unter Hans Knappertsbusch gab es bisher nicht. Der Dirigent hat das Stück in Bayreuth nie geleitet. Identifiziert wurde er mit «Parsifal», ein halbes Dutzend Aufnahmen dokumentiert, warum. Das Label Orfeo – um «Knas» künstlerisches Erbe seit Langem bemüht – steuerte eine besonders schöne von 1964 bei...