Mikroports erobern die Bühne – ist das wirklich gut?

Ich habe die Geschichte von einer Freundin, die vor Jahren als Dramaturgin im altehrwürdigen Theater der Residenzstadt B. arbeitete. Sie machten damals Offenbachs «Barbe-Bleue». Schwieriges Stück, weil durch das Frivole die politische Dimension dieser Opéra-bouffe hindurchschimmert, man aber genau das nur zart andeuten darf, will man nicht die 1001. moralinsaure Inszenierung herausbringen. Bis zur HP 2 (das ist die Orchesterhauptprobe mit Maske, Licht und dem ganzen Krimskrams) lief alles prima. Die Ideen sprudelten, es wurde viel gelacht.

Na ja, aber dann kam es eben so, wie es kommen musste: Aus heiterstem Himmel zogen Gewitterwolken auf. Und zwar im Gesicht des Intendanten. An der Kunst selbst hatte er nichts auszusetzen. Die Inszenierung sei okay, meinte er. Aber etwas anderes war gar nicht okay. Schon in Reihe 13 (dort saß der Boss) waren die Solisten nicht mehr richtig zu verstehen, wenn sie einen Dialog hatten (was betrüblicher Weise ziemlich häufig der Fall war), aber auch sonst kaum. Also wurde der Tonmeister aus seinem Kabuff geholt und dringlich gebeten, hier doch mal etwas «nachzuhelfen». Der Mann verstand auf der Stelle, was man von ihm wünschte. Die Sänger wurden im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Zwischenruf, Seite 69
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Im Anblick der Musik

Wahre Wunder sind «leichter zu wiederholen, als zu erklären», sagte Friedrich Hebbel. Das Wagner-Wunder von Minden aber hat sich in diesem Herbst schon zum achten Mal wiederholt, mag man dran glauben oder nicht. Letztlich ist es eine Frage der eigenen Anschauung, der Bahnhof in dieser kleinen ostwestfälischen Stadt wird ja nach wie vor von der Deutschen Bahn...

Vollkommener Gleichklang

Claude Debussys Vokalschaffen stellt zweifellos den Höhepunkt der französischen Liedkunst dar – der mélodie, die sich auf so charakteristische Weise vom Kunstlied der deutschen Romantik unterscheidet. Etwa 100 mélodies hat Debussy zwischen 1879 und 1915 geschrieben, die enge Liaison von Wort und Ton zielt dabei auf einen Ausgleich, der dem Gedicht gleichsam eine...

Hingabe ohne Heiligenschein

Der Komponist Mathias Spahlinger ist ein rigoroser Verächter der Postmoderne in einem doppelten Sinn: Künstlerisch lehnt er jede Rückversicherung bei angeblich intakten Traditionen ab, erst recht allfällig wohlfeiles anything goes. In solcher Entschiedenheit steht er Helmut Lachenmann nahe. Außerdem ist er dezidierter Linker, vertraut nicht im mindesten dem juste...