Mendelssohn Bartholdy: Elias

Mainz

Der Aufstieg eines Außenseiters, sein unerwarteter Machtgewinn im Namen seines Gottes und schließlich sein Verzicht auf dem Höhepunkt der Macht: Felix Mendelssohn Bartholdys «Elias» ist – auch auf dem Konzertpodium – ein ungeheures theatrales Erlebnis. Dennoch hat man in der Umsetzung auf der Bühne in Mainz dem Werk eine weitere und durchaus überzeugende Dimension hinzugewonnen – genau wie einen Monat zuvor bei Bachs Johannes­passion in Wiesbaden (siehe OW 4/2005).

Dabei hatte es Jens-Daniel Herzog mit dem «Elias» in einem Punkt weit leichter als Kollege Hilsdorf in Wiesbaden: Mendelssohn Bartholdy hatte auf die Figur des Evangelisten bewusst verzichtet, um der Oratorienhandlung einen dramatischen Drive zu geben. Eine Tugend haben beide Regisseure gleichermaßen verinnerlicht: Einen seichten Sandalenfilm als Opernabend bekommt man weder hüben noch drüben des Rheins zu sehen. Herzog zieht den «Elias» ins Hier und Heute einer machtkorrumpierten, mediendominierten und zwischen zwei Regimen wechselnden Gesellschaft. Das fällt genau so plakativ aus, wie es sich hier liest: Die kollektive Anrufung Baals – per Handy – misslingt, zur Anrufung des siegreichen Elias werden Cheerleader ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 59
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klangrede

Köln hat einen neuen «Idomeneo» zum Hören. Weniger einen zum Hinsehen. Das hat zwei Gründe: Erstens ist Mozarts Oper ohnehin schwierig zu inszenieren; zweitens fällt Christoph Nel und seinem Bühnenbildner Jens Kilian nichts Nachhaltiges dazu ein, wie erstgenanntem Übel abzuhelfen wäre. Die Bühne auf der Bühne im ersten Akt klärt zwar die Fronten zwischen einer...

Wenn das Licht klingt

Eine verwegene These? Die Berliner Philharmoniker sind kein gutes Opernorchester – weil sie ein zu gutes sind. Wenn den Musikern und Simon Rattle eine so hellsichtige, geistsprühende Interpretation gelingt wie bei den diesjährigen Salzburger Osterfestspielen, sprengen sie das Gesamtkunstwerk Oper. Was da bei Benjamin Brittens «Peter Grimes» an elektrisierender...

Der Gral als Organspende

Parsifal» in einem offenen Orches­tergraben: Das kann im Grunde genauso wenig funktionieren wie die «Meistersinger» unter dem Bayreuther Deckel. Mischklang und Verschleierungstaktik von Wagners letzter Partitur sind so detailliert auf die Spezifika im Festspielhaus abgestimmt, dass sie in anderen Opernhäusern automatisch verzerrt erscheinen – zur Kenntlichkeit...