Unter Hochdruck

René Jacobs setzt seinen Mozart-Zyklus mit «La finta giardiniera» in einer posthum erweiterten Instrumentation fort

Auch wenn René Jacobs in der neuesten Folge seiner Mozart-Opernserie zu einer ungewöhnlichen Instrumentation greift: So revolutionär wie seine «Così» oder «Zauberflöte» ist diese «Finta giardiniera» nicht. Zumal wenn man sie mit dem Mitschnitt der legendären Brüsseler Inszenierung von Ursel und Karl-Ernst Herrmann unter Sylvain Cambreling (1989; siehe OW 3/2003) vergleicht.

Deren musique concrète-Zutaten (Vögel, Wasser, Laub, Grillen, Nachtstimmung) gaben der Natur eine Stimme, so wie Jacobs seit seiner «Zauberflöte» versucht, das Theater auch auf CD hörbar zu machen, und erschlossen Mozarts Musik damit eine neue poetische Dimension. Keine Frage: Jacobs’ Sängerinnen und Sänger sind den Brüsselern in Stimmschönheit und Gesangskultur überlegen. Doch die minutiös aus der komödiantischen Situation, präzisen Charakterporträts und dem Körperspiel entwickelte Spracharbeit der Herrmanns gab den gelegentlich sogar völlig unbegleiteten oder in die Arien-Ritornelle hineingeschobenen Brüsseler Rezitativen eine unkonventionelle Natürlichkeit, psychologische Transparenz und sprechendes Timing. Im Vergleich dazu wirken Jacobs’ Rezitative pauschal. Nicht selten forciert er die Dramatik, indem er ...

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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Medien, Seite 29
von Boris Kehrmann