Lehár bläst ins Wunderhorn

Ulf Schirmer gräbt seine sagenumwobene Goethe-Operette «Friederike» aus

 

Lehárs «Friederike» (1928) eilt ein fabelhafter Ruf voraus. Seit ihrer Uraufführung gilt die Goethe-Operette als eines der geschmacklosesten Kitschprodukte der Zeit. Andererseits drängelte sich von Albert Einstein bis Heinrich Mann alles, was Rang und Namen hatte, zur glanzvollen Uraufführung im Berliner Metropol-Theater, und keine Geringere als Käthe Dorsch gestaltete die zwischen Singen und Sprechen changierende Titelpartie.

Umso gespannter nahm man den ton- wie spieltechnisch makellosen Live-Mitschnitt einer einzigen Konzertaufführung mit dem Münchner Rundfunkorchester und dem stark unterforderten Chor des Bayerischen Rundfunks unter Ulf Schirmer zur Hand. Und tatsächlich: Keine Fantasie reicht aus, sich dieses Niveau auszumalen. 

Das betrifft die Geschichte (nach «Dichtung und Wahrheit», 11. Buch), die Dialoge («Ich weiß, welch’ Opfer sie seinem Glück gebracht haben. – Durchlaucht! Goethe gehört der ganzen Welt, also auch mir.») und die satztechnisch mehr als dürftige Musik: ein zerflatterndes Etwas aus Pseudo-Volksliedern, Stil-Tänzen (Rokoko bis Biedermeier) und blechgepanzerten Schicksalsblitzen, die aus heiterem Gesäusel niederkrachen. Dem Ende ist das obligate ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Medien / CDs, Seite 25
von Boris Kehrmann

Vergriffen