Überlegene Künstlichkeit

Aus Anlass der neuen Alben von Cecilia Bartoli und Simone Kermes: Überlegungen zur Sängermusik der Kastraten-Ära

Warum sollte Cecilia Bartoli nicht erlaubt sein, was Madonna für sich in Anspruch nimmt: die mediale Selbstinszenierung. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang auch daran, dass Sängerinnen wie Maria Malibran oder Adelina Patti sich wie königliche Hoheiten gerierten und zum Mittelpunkt fanatischer Idolatrie wurden. Mit ihrem Vivaldi-Album war der Römerin vor zehn Jahren zum ersten Mal ein prachtvolles Plädoyer für die hierzulande gering geschätzte, wenn nicht gar verachtete Sänger-Musik des Barock gelungen.

Da nichts erfolgreicher ist als der Erfolg, ließ sie eine Anthologie mit Arien aus Opern von Antonio Salieri – von Rudolph Angermüller als technisch komplizierter eingeschätzt als die schwierigsten Vokalwerke Mozarts – folgen, danach eine weitere mit Musik des «italienischen» Christoph Willibald Gluck. Daran schlossen sich «Konzeptalben» unter Titeln wie «Opera proibita» und «Maria» an, Letzteres eine Hommage an Maria Malibran und zugleich eine Reverenz an die Maria des 20. Jahrhunderts.
Waren Maria Callas die Impulse für die Renaissance des klassischen und romantischen Belcanto zu danken, so der Bartoli – wenn auch nicht ausschließlich – solche für die Musik des Barock. Für ein ...

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Opernwelt November 2009
Rubrik: Medien/CDs, Seite 26
von Jürgen Kesting

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