In der Falle

Roberto Alagna schreibt seine Autobiografie – und scheitert

Das Genre der Autobiografie hat in den letzten Jahren zunehmend desaströse Formen entwickelt. Sobald jemand die Schwelle zum «Star» genommen hat – wie auch immer man diese Schwelle definieren mag –, fühlt er oder sie sich bemüßigt, Memoiren zu verfassen, unabhängig von Alter, Erfahrung und Gehalt. Nun hat also Roberto Alagna seine Autobiografie geschrieben, mit 47 Jahren. Er möchte Türen zu seiner Seele öffnen – der des Künstlers, der des Privatmenschen.

Das Kennzeichen einer Autobiografie wird bereits auf der Titelseite ad absurdum geführt, denn die Identität des Autors scheint nicht uneingeschränkt mit der des Erzählers übereinzustimmen. «Roberto Alagna unter Mitarbeit von Danièle Mazingarbe», heißt es da. Wie groß Frau Mazingarbes schreibender oder beratender Anteil ist, bleibt unklar. Alagna walzt seine Jugend bis ins Detail aus, ellenlang und offenbar ohne Widerspruch seitens seiner Mitarbeiterin.

 

Der Leser hat fast hundert Seiten – also knapp ein Drittel dieses Textes – verdaut, bis Alagna erstmals singend vor ein Publikum tritt – mit einem neapolitanischen Liebeslied. Vieles an diesem Buch verliert sich in Belanglosigkeiten: «Schon immer, auch in meinen Anfängen, habe ich ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Medien / Bücher, Seite 29
von Christoph Vratz

Vergriffen