Maskenfall
Die Zeit ist aus den Fugen. Schreckliches werde geschehen, greint Herodes, wobei die Honigschicht der Jovialität, um die er sich ohnehin zumeist vergeblich müht, endgültig abtropft. Es geht um seine Stieftochter Salome, die verzogene Göre mit erotischem Appeal, die für erwiesene Gunstleistungen, Tanz et cetera, partout den Kopf des eingekerkerten Propheten fordert. In Florentine Kleppers Grazer Inszenierung ist der Tetrarch ein schmieriger Macho, der Frauen nicht nur auf dieser Masken- und Sex-Party im Penthouse, der wir visuell beiwohnen, rücksichtslos zu seiner Lust gebraucht.
Irgendwie erinnert er uns in seiner Posenfreudigkeit und dem giftgrünen Outfit aber auch an den TV-Unterhalter Thomas Gottschalk. Apropos: Könnte es sein, dass Klepper sich nicht nur, wie sie sagt, von Michel Foucault inspirieren ließ, sondern auch in die Niederungen der deutschen Fernsehunterhaltung abtauchte, etwa zur Serie «Der Bulle von Tölz», Folge: «Wenn die Masken fallen»? Manche Szene mag an diese Episode erinnern, doch vermutlich ist jede Ähnlichkeit Zufall – auch wenn wir zu Beginn eine massige Gestalt nach Art des Ottfried Fischer auf der Bühne ausmachen; freilich ist es nicht Kommissar Benno ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard Persché
Am letzten Tag der Probenwoche im September, es ist schon spät, sagt Márta Kurtág einen Satz, der wie eine persönliche Bilanz klingt: «Für uns ist ‹Fin de partie› alles. Es geht da auch um unser Leben.» Das Leben mit György, ihrem Gatten und Gefährten seit mehr als sieben Jahrzehnten. Viel Zeit bleibt ihnen nicht: Der Komponist wird im Februar 93, die Pianistin...
Er war der Marktführer im Opernbetrieb der Belle Époque. Die Häuser rissen sich um seine Stücke. Denn Jules Massenet hatte ein feines Gespür für die unlauteren Seh(n)süchte der Bourgeoisie – für eben jene von der Konvention eingehegte Lust auf emotional-erotische Verausgabung, die das Paradies verheißt, doch meist ins Verderben führt. Mit der 1884 an der Opéra...
Die Herren kennen einander. Natürlich nicht persönlich, Franz Schubert starb bekanntlich 1828, als Ian Bostridges Vorfahren noch gar nicht wussten, dass sie dereinst einen namhaften Liedsänger in ihrer Familie haben würden. Als solcher ist Bostridge seit Langem international anerkannt, zumal auf dem Gebiet der Schubert-Exegese; nicht zuletzt sein Buch über den...
