Begrenzt entgrenzt

Marina Rebeka nimmt sich Mozart vor, Sabine Devieilhe überzeugt mit Rameau

Ganz gleich, ob es sich um die Contessa oder Susanna im «Figaro», Donna Elvira oder Zerlina im «Don Giovanni», Pamina oder Königin der Nacht in der «Zauberflöte» handelt – bei Mozart steht als Besetzungsangabe immer nur «Sopran». Die Differenzierung nach verschiedenen Stimmfächern ist eine Erfindung späterer Zeit, die dafür sorgte, dass Sängerinnen, die der «Hölle ­Rache» koloratur- und höhensicher beschwören können, nicht auch eine leidende Gräfin oder eine hysterische Donna Elvira darstellen.

Die lettische Sopranistin Marina Rebeka setzt sich über das tradierte Fächerdenken hinweg und präsentiert bereits mit den ersten drei Arien ihres Mozart-Albums drei grundverschiedene Charaktere: Elettras furi­ose Finalszene aus «Idomeneo» weiß sie mit energischem Ausdruck und explosiven Ausbrüchen zu gestalten, «Porgi, amor» gelingt ihr mit schöner Innigkeit, als rachedurstige Königin der Nacht versteht sie mit gestochen scharfen Koloraturen zu beeindrucken. Auch die anderen Arien zeigen die Tendenz, die Spannweite vom lyrischen Sopran bis zum Koloratursopran abzudecken.

Rebeka, auf den großen Bühnen der Welt nicht zuletzt als Mozart-Interpretin tätig, verfügt über stimmliche Mittel, die ihr ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf