Mal ehrlich Februar 2018

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Mehr als 100-mal habe ich in Brittens «Midsummer Night’s Dream» auf der Bühne gestanden! Wenn nicht 200-mal – mir fehlt längst der Überblick. So oft jedenfalls, dass meine Bücher nach einer Figur aus dem «Sommernachtstraum» benannt sind («Who’s my Bottom?» und «Scraping the Bottom»). Es gibt Menschen, die mich deshalb für einen Fachmann halten. Und doch habe ich, schnallen Sie sich an, einige Szenen erst vor zwei Jahren live gesehen – und das auch nur, weil ich selbst im Regiestuhl saß.

Zettels Traum? Für mich war das immer: Warten auf den nächsten Auftritt, Teetrinken in der Kantine. Nie hab ich mir das Stück als ganz normaler Zuschauer angeschaut.

Mal ehrlich, wie soll Brünnhilde Einblick in die ersten beiden «Siegfried»-Akte kriegen? Welcher Don Giovanni wird je Augenzeuge des Duetts zwischen Donna Anna und Don Ottavio? Der Weiberheld muss in die Garderobe, sich umziehen, nachschminken! Noch stärker außen vor bleiben Choristen. Neulich erzählte mir ein Kumpel, er wisse bei jeder zweiten Oper kaum, wie die Geschichte ausgehe, in der er da jeden Tag auftrete. Oft ist der Chor vor dem Finale fertig oder liefert die letzten Töne aus dem Off – idealerweise in Straßenkleidung, um ...

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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 69
von Christopher Gillett

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