Mal ehrlich Februar 2018
Mehr als 100-mal habe ich in Brittens «Midsummer Night’s Dream» auf der Bühne gestanden! Wenn nicht 200-mal – mir fehlt längst der Überblick. So oft jedenfalls, dass meine Bücher nach einer Figur aus dem «Sommernachtstraum» benannt sind («Who’s my Bottom?» und «Scraping the Bottom»). Es gibt Menschen, die mich deshalb für einen Fachmann halten. Und doch habe ich, schnallen Sie sich an, einige Szenen erst vor zwei Jahren live gesehen – und das auch nur, weil ich selbst im Regiestuhl saß.
Zettels Traum? Für mich war das immer: Warten auf den nächsten Auftritt, Teetrinken in der Kantine. Nie hab ich mir das Stück als ganz normaler Zuschauer angeschaut.
Mal ehrlich, wie soll Brünnhilde Einblick in die ersten beiden «Siegfried»-Akte kriegen? Welcher Don Giovanni wird je Augenzeuge des Duetts zwischen Donna Anna und Don Ottavio? Der Weiberheld muss in die Garderobe, sich umziehen, nachschminken! Noch stärker außen vor bleiben Choristen. Neulich erzählte mir ein Kumpel, er wisse bei jeder zweiten Oper kaum, wie die Geschichte ausgehe, in der er da jeden Tag auftrete. Oft ist der Chor vor dem Finale fertig oder liefert die letzten Töne aus dem Off – idealerweise in Straßenkleidung, um ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 69
von Christopher Gillett
Herr Larsen, als ich Sie das erste Mal gesehen habe, waren Sie nackt ...
Das ist nicht weiter verwunderlich, denn seit 2004 singe ich als Osmin in Calixto Bieitos Inszenierung der «Entführung aus dem Serail» meine erste Arie unter der Dusche. Und dabei bin ich logischerweise nicht angezogen.
Zweifellos ist die Produktion auch dieses Auftritts wegen Kult geworden....
Im Juli 2016 wurde zum dritten Mal der Reinhard-Schulz-Preis für Musikpublizistik vergeben. Eine mit 3000 Euro dotierte Ermutigung für junge Journalisten, die in der Sache kompetent, mit kritischer Neugier, sprachlich sensibel und klar über zeitgenössische Musik berichten. So etwas braucht Zeit. Und einen gesicherten Freiraum, der konzentriertes, kontinuierliches...
Leer der Raum und hell, von weißen Stoffwänden eingefasst. Zwar werden nach und nach altbürgerliche Holzmöbel in Dunkelbraun und massiver Faktur hereingetragen, dennoch lebt der japanische Salon, den Michael Levine auf die Bühne gezaubert hat, von lichter Transparenz. Dezent aufgetragen ist die couleur locale; sie beschränkt sich auf die authentisch wirkenden...
