Wie im Fluge

Simon Rattle dirigiert Wagners «Ring» an der Deutschen Oper Berlin

Kein Zweifel: Von den drei Berliner Opernhäusern hat die Deutsche Oper die bequemsten Sitze. Dass die jüngste Wiederaufnahme der inzwischen fast dreißig Jahre alten Inszenierung von Götz Friedrichs «Ring» wie im Flug vergeht, liegt aber zum kleinsten Teil an der Polsterung.

Kann man hören, ob ein Dirigent und ein Orchester sich gut verstehen? Wir glauben: Ja. Dass es zwischen den Berliner Philharmonikern und ihrem Chef kriselt, hört man manchmal, leider. Und dass für das Orchester der Deutschen Oper dieser «Ring» nicht einfach nur ein Dienst ist, hört man auch.

So hingebungsvoll – und so gut – haben wir es schon lange nicht mehr erlebt.

Kann man Dirigenten klassifizieren? Möglicherweise. Es gibt solche, deren Stärke in der Horizontalen liegt, im Melos, und jene, deren Stärke in der Vertikalen liegt, im Satzgefüge. Rattle scheint beim Dirigieren nach dem Motor zu suchen, dem einen Zahnrad, das die anderen zum Drehen bringt. Vielleicht klingt deshalb gerade das Schmiedemotiv der Nibelungen noch Wochen später nach: dieses spannungsvolle Pochen, das in Verbindung mit Peter Sykoras berühmtem Bühnenbild, dem «Zeittunnel», das unerbittliche Verrinnen der Zeit hörbar zu machen scheint. ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Wiebke Roloff