Schwarze Romantik

Klein, aber fein: Die Pariser Opéra Comique setzt sich für Robert Schumanns «Manfred» ein

 Manfred trägt eine dunkle Livrée mit zwei Reihen silberner Knöpfe. In dieser Uniform wird er mit seinen Dämonen ringen, wird er, ruhig und beherrscht, in den selbstgewählten Tod gehen. Bleich das Gesicht, hohl die Augen. Der düstere Held aus Lord Byrons gleichnamigem Gedicht tritt an der Pariser Opéra Comique als eine Art Kammerdiener auf.

Seine zwiespältige Persönlichkeit tut sich nicht in äußeren Exaltationen kund: Pascal Rénéric setzt als Manfred in der Regie von Georges Lavaudant ganz auf die Kraft und die Aura der Worte, um ­jenes mental theatre in Gang zu setzen, das Byron vorschwebte. Wobei der exzentrische Engländer eine Realisierung auf realen Theaterbrettern ­eigentlich abgelehnt hatte. Robert Schumann sah das anders. Er schuf eine Adaption im Stil eines Melodrams – 1842 ein durchaus kühnes Unterfangen. In der Salle Favart gehört Manfred der erste Auftritt, nicht, wie bei Schumann, der Ouvertüre. Gefasst betritt er die Bühne und spricht von der ihn zermürbenden Unruhe, vom Wachsein, das kein Schlaf unterbrechen kann, von der Sinnlosigkeit aller Erkenntnis. Rénéric bleibt die gesamte Aufführung hinweg maßvoll in seinen äußeren Gesten, spielt aber virtuos mit Nuancen und ...

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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Mathias Nofze