«Ich brauche das Publikum»

Wie Ingeborg Schöpf das Silvesterkonzert aus der Dresdner Semperoper rettete

Sie kam, sang, siegte. Und vor allem: Es wirkte so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Stimmt ja auch in gewisser Hinsicht: Ingeborg Schöpf singt seit 14 Jahren Operette in Dresden. Nur dass diesmal 1,8 Millionen Fernsehzuschauer dabei waren. Und dass das Ganze nicht an ihrem Stammhaus, der Staatsoperette, stattfand, sondern in der Semperoper. Der Anruf kam einen Tag vorher. Sie hielt ihn zunächst für einen Witz. Eine Frauenstimme meldete sich als Assistentin Christian Thielemanns und fragte, wie viele Stücke des Silvesterprogramms am 30. Dezember sie draufhabe.

Diana Damrau, die vorgesehene Sopranistin, fühle sich nicht gut. Ganz unverbindlich zunächst, die Frage. Fünf Stücke hatte Ingeborg Schöpf schon ­gesungen, vier nicht. Die lernte sie sofort, holte drei Kleider aus ihrer Garderobe und dachte noch lange nicht an eine echte Chance. Am nächsten Tag übernahm sie für Damrau mittags die öffentliche ­Generalprobe. Erst danach kam die endgültige Absage. Und die ­ultimative Chance. «Keine Sorge, ich bin bei dir», sagte Thielemann. Das war er dann auch. Stieg vom Pult, kam ganz nah, folgte ihrem Atem, gab ihn an das Orchester weiter. Zehn Jahre lang war Ingeborg Schöpf als ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Stephan Mösch