Römisches Pasticcio

Das Barockfestival Ambronay stellt die Oper «Tito Manlio» vor – eine Gemeinschaftsarbeit der Komponisten Gaetano Boni, Giovanni Giorgi und Antonio Vivaldi

Komponisten und Priester in Personalunion waren sie alle drei, sonst hatten sie eher wenig gemein: Gaetano Boni aus Bologna, der Römer Giovanni Giorgi und der Venezianer Antonio Vivaldi. Abgesehen von der Gunst des musikbesessenen Kardinals Pietro Ottoboni. Von ihm erhielten sie zur Karnevalssaison 1720 den Auftrag, für das römische Teatro della Pace das Libretto «Tito Manlio» von Matteo Noris zu vertonen – jeder einen Akt. Noris’ Libretto folgt lose der römische Chronik «Ab urbe condita» (VIII, 7), in der der Geschichtsschreiber Livius schildert, wie Konsul ­Titus Manlius d. Ä.

den eigenen Sohn, Titus Manlius d. J., zum Tode verurteilt, weil dieser entgegen den ausdrücklichen väterlichen Befehl auf einem Erkundungsritt eine Gruppe Latiner getötet hat. Er garnierte das antike Sujet mit romantischer Nebenhandlung und finaler Begnadigungsszene und nahm so in gewisser Weise den Kleist’schen «Prinzen von Homburg» vorweg – freilich ohne Todesfurchtszene. Vivaldi hatte dasselbe Libretto ein Jahr zuvor bereits für Philipp von Hessen-Darmstadt, den Gouverneur von Mantua, vertont (RV 738); sechs Arien übernahm er für seinen «Tito Manlio»-Akt von 1720 (RV Anh. 56), der bislang als ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Carlo Vitali