Konfetti tut nicht weh

Wenn es um den Nachwuchs geht, geraten Intendanten in Aufbruchstimmung. Kinderspaß, Jugendstück, Familienoper – für keine Zielgruppe wird so viel neu komponiert wie für das Publikum von morgen. Allein im November und Dezember 2015 reichte das Premierenspektrum von Marc Adamos «Becoming Santa Claus» in Dallas über Johanna Doderers «Fatima» in Wien und «Die Königin der Farben» an der Jungen Oper Mannheim bis zu Tauno Lints «Karlsson auf dem Dach» in Tallinn. Wir stellen, pars pro toto, frisch vertonte Märchen vor – und lassen dabei auch diejenigen zu Wort kommen, um die sich alles dreht.

Im November war ich mit der Schule in der Oper und habe mir «Schneewittchen und die 77 Zwerge» angeschaut. Da sind manche Sachen anders als in dem bekannten Märchen: Es gibt nicht 7, sondern 77 Zwerge, die vom Kinderchor der Komischen Oper gespielt werden. Sie haben Kapuzenpullover mit Zipfeln an, einige können sogar auf Händen laufen oder ein Rad schlagen. Schneewittchen ist abenteuerlustig, kann Karate und hat einen Hasen zum Freund, den sie vor dem Koch im Schloss gerettet hat.

Der Jäger, der sie erschießen soll, ist viel zu lieb: Aus seinem Gewehr kommt mit lautem Knall nur Konfetti! Weil die Königin so schön sein will, zieht sie sich sehr oft um. Sie hat Dienerinnen, die ihr Luft zufächern und sie tragen. Am Ende kommt ein langhaariger Prinz an einem Seil auf die Bühne gesprungen und sieht Schneewittchen in ihrem mit Blumen bemalten Sarg. Als er dagegenstolpert, fällt ihr das vergiftete Stück Apfel aus dem Mund. Zum Schluss feiern sie Hochzeit und gründen den «Zirkus Wundersam» – und die Königin muss ins Gefängnis, fette Sahnetorten essen. Das findet sie richtig schlimm, sie will ja dünn bleiben!

In dieser Oper wird nicht nur gesungen, sondern zwischendurch auch gesprochen. Das ...

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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jolanda Baars