Heisse Tage

Während Musikliebhaber beim Israeli Opera Festival Verdis «Traviata» und Mozarts «Don Giovanni» genießen, heizt sich die politische Atmosphäre weiter auf

Ach, Israel! In der Jerusalemer Altstadt feiern Familien ausgelassen Bar Mizwa, Pilger steigen staunend bergan zur Grabeskirche, und in den schattigen Gassen des arabischen Viertels hängt schwer der Duft nach Leder und Gewürzen. Kühl rinnt die Zitronenlimonade die Kehle hinab. «Israel ist mehr als ein Krisengebiet», sagt uns Tourismusminister Uri Landau, als wir Mitte Juni in der Pressekonferenz zum Israeli Opera Festival sitzen.

Der Weg hinunter zum Massada-Felsen führt durch das Westjordanland.

Jüdische Siedlungen thronen auf Hügeln, Außenposten in der Autonomieregion, der palästinensischen Westbank. Weit schweift hier der Blick. Auf die Jordanischen Berge, die im Dunst dunkel schimmern. In Richtung Jericho, der ältesten Stadt der Welt, die kein Israeli betreten darf. Still liegt sie in der Sonne. Doch vielleicht wird dort gerade jetzt eine Razzia durchgeführt, auf der Suche nach den drei Talmudschülern, deren Entführung noch eine Vermutung ist. Die größte Militäraktion seit Jahren. Tausende Soldaten sind im Einsatz. Zerstörte Infrastruktur. Hunderte Verhaftungen. Auch Tote, jetzt schon.

Mitten in der Wüste, im Nichts aus Sand und Steinen hat man die Champs-Elysées nachgebaut. ...

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Opernwelt August 2014
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Wiebke Roloff