Experiment geglückt

Anna Netrebko singt in Berlin erstmals «Vier letzte Lieder» von Richard Strauss

Ursprünglich klang sie wie ein überraschend dunkler, «slawischer» Koloratursopran. Es ist gar nicht so lange her, da sang sie noch Adina. Gerade erst hatte sie Donizettis Belcanto-Königinnen in ihr Repertoire aufgenommen. Inzwischen wagt sich Anna Netrebko immer weiter in dramatischere Bereiche vor. Jüngst ging sie Verdis Spinto-Partien an, Wagners Elsa soll 2016 in Dresden folgen, Verhandlungen laufen auch mit Bayreuth.

Die unendlichen Vokalisen der «Vier letzten Lieder» stellen eine klug gewählte Zwischenstufe dar: Strauss’ Orchester hat in seiner Spätzeit-Elegik nicht mehr die erdrückende Wucht des Wagner’schen; die 20 Minuten Spieldauer gestatten es, mit Atemtechnik und Ökonomie auf neuem Terrain zu experimentieren; auch an die musikalische Gestaltung der für sie neuen Sprache kann sich die Diva herantasten.

Beim Benefizkonzert der Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim zugunsten der Lindenopern-Sanierung fokussierte die Sopranistin ihre Stimme in der Mittellage, aus der heraus sie gewohnt mühelos in die dunkel leuchtenden, körpersatten Tonbereiche oberhalb des Systems aufstieg, während die tiefen Brusttöne überraschend matt blieben. Die sahnigen Legato-Bögen, meist auf ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Boris Kehrmann