Aus dem Leben eines Taugenichts

Vor Kurzem bekam ich eine E-Mail aus der Marketing-Abteilung eines Theaters, an dem ich probte. Sinngemäß stand da: «Wir hoffen, dass Sie Ihre Freunde, Verwandten, Kollegen und überhaupt alle, die Sie kennen, mit Ihren Erlebnissen hier nerven wollen». Dabei werde man mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Personalisierte Banner für Twitter, Facebook und die E-Mail-Signatur lagen zum Download bereit. Man lud mich ein, den hauseigenen YouTube-Kanal zu abonnieren, schlug Hashtags vor und forderte mich ganz allgemein auf, Teil des Netzgeplappers zu werden. Sie hatten an alles gedacht.

Ich überlegte mir die Sache ungefähr drei Sekunden lang – und löschte dann den Schrieb. Rar mache ich mich nicht in den sozialen Medien – ich bin, wie fast jeder mit einem über die Welt verstreuten Bekanntenkreis, dankbar für die Möglichkeit, unkompliziert in Kontakt und auf dem Laufenden zu bleiben. Und wenn ich von einem Kollegen lese, «Wir proben gerade für ‹Tosca›. Das ist mein erster Scarpia, und ich bin mir echt nicht sicher, ob ich gut genug bin. Ich hoffe, ich versau es nicht», dann interessiert mich das. Wahrscheinlich gehe ich sogar hin. Weil da einer ehrlich beschreibt, wie es ihm geht. Wenn ich ...

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Opernwelt August 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christopher Gillett