Wenn die Augen hören und die Ohren sehen

Die Berliner «MaerzMusik» umkreist in ihrer zehnten Saison die synästhetische Erfahrung – unter anderem mit neuen Partituren für alte Filme

Der Name ist Programm: Als Matthias Osterwold 2002 in Berlin die erste «MaerzMusik» auflegte, nannte er das Projekt «Festival für aktuelle Musik».

Der schwammige Untertitel beschreibt präzise, worin sich Osterwolds Nachdenken über Stand und Perspektiven zeitgenössischer Klangkunst von jener «Musikbiennale» unterscheidet, die zuvor unter dem Dach der Berliner Festspiele die Fahne der Avantgarde hoch gehalten hatte: weg von den materialfixierten Dogmen der «Neuen Musik» nach Adorno, hin zu einer Öffnung, Mischung und Erweiterung musikalischer Spielformen, die sich aus unterschiedlichsten Quellen speisen. Dass die Zeit ästhetischer Fortschrittsgewissheit einstweilen vorbei und die kompositorische Praxis heute kaum mehr auf den Begriff zu bringen ist, sollte uns nicht schrecken, lautet das Credo der «MaerzMusik»-Macher – im Gegenteil: Das Durcheinander produktiver Energien, der postideologische Stil- und Werte-Pluralismus, die Auflösung hergebrachter Hierarchien zwischen «E» und «U» könnten uns animieren, die Ohren gründlich zu lüften, die Augen zu schärfen, kurzum: die Wahrnehmung immer wieder neu zu justieren.

«Klang Bild Bewegung» – unter diesem Motto stand die zehnte Saison der ...

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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Albrecht Thiemann