Made in Vienna and America
Leonie Rysanek war ein Bühnentier, das sich in der Sterilität des Studios nicht ausleben konnte. Deshalb geben ihre Schallplattenaufnahmen nur einen vagen Eindruck ihres Künstlertums. Umso wertvoller sind die Mitschnitte ihrer Theaterauftritte, die in den letzten Jahren verstärkt und auch ganz legal auf den Markt gekommen sind. Die Vibrationen ihres dramatischen Temperaments vermitteln sich da auch über das akustische Medium.
Orfeo hat auf zwei CDs einen Zusammenschnitt ihrer Auftritte an der Wiener Staatsoper veröffentlicht, der sechsunddreißig Opernjahre dokumentiert, von der Tatjana 1955 (noch im Theater an der Wien) bis zur Küsterin 1991. Dazwischen liegen einige ihrer wichtigsten Bühnenrollen: Aida, Tosca, Santuzza, Ortrud, Kundry, Ariadne, Salome und schließlich die Kaiserin in «Die Frau ohne Schatten», hier vertreten in gleich drei Produktionen aus mehr als zwei Jahrzehnten; die erste (1955) und die letzte (1977) fanden unter Karl Böhms Leitung statt, dazwischen lag die eigenwillige Karajan-Einrichtung von 1964. Vergleicht man die Aufnahmen, so stellt man fest, dass die Zeit der Stimme nichts anhaben konnte.
Nicht alles ist neu in dieser Sammlung, einige Mitschnitte ...
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Zum siebten Mal fand Ende August der 1995 ins Leben gerufene Gesangswettbewerb Königin Sonja (Dronning Sonja Internasjonale Musikkonkurranse) in Oslo statt. Einhundertsiebenundsechzig Kandidaten aus zweiundvierzig Ländern hatten sich gemeldet, vierundvierzig Teilnehmer wurden ausgewählt. Eine hochkarätige Jury, bestehend aus Joan Sutherland, Anne Gjevang, Ragnar...
Alptraum oder Traum im antiken Athen? Auf dass der Nachschub an Kriegern funktioniere, sollte «mann» in jedem Fall zwei Frauen heiraten. Das zumindest behaupten – historisch wohl nicht ganz korrekt – Georg Philipp Telemann und sein Librettist Johann Ulrich König in ihrer 1721 in Hamburg uraufgeführten Oper «Der geduldige Sokrates». Also muss der Philosoph nicht...
Claude Debussys einzige Oper gehört mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben in ihrer zuletzt in Stuttgart gezeigten Inszenierung (siehe OW 6/2007) das am «Kreuzungspunkt von alltäglicher Rede und depressivem Schweigen» (Julia Kristeva) angesiedelte Stück...
