Love’s Labour’s Lost

London, English National Opera, Bartók: Herzog Blaubarts Burg, Händel: The Messiah

Daniel Kramers Neuinszenierung von Bartóks einziger Oper hatte man an der English National Opera mit einer neuen Choreografie von Strawinskys «Frühlingsopfer» kombiniert, für die der Ire Michael Keegan-Dolan verantwortlich zeichnete. Eine schlüssige Entscheidung – handelt es sich bei diesen Werken doch um «Zeitgenossen»: Bartók komponierte seine Version des Blaubart-Stoffes 1911, das legendäre «Sacre»-Ballett kam zwei Jahre später in Paris heraus. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht in der ungemein hellhörigen Verwendung und Verarbeitung folkloristischen Materials.



Kramer und Ausstatter Giles Cradle lassen Blaubart in einem Kellerverlies auftreten, das wie die Behausung eines Serienkillers aussieht. Mit jeder Tür, die Judith, des Herzogs neue Frau, in diesem unheimlichen Etablissement öffnet, sehen wir deutlicher die dunkle Wahrheit: Wir befinden uns im Inzest-Keller Josef Fritzls – jenes Österreichers, der mit seiner dort gefangenen Tochter sieben Kinder zeugte. Das Problem eines solchen Ansatzes: Er verkürzt den Resonanzraum eines Stücks, das von menschlichen Abgründen im weitesten Sinne handelt, von Dingen, die uns verborgen bleiben, die nie ans Licht kommen. Aus einem Mythos wird ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von George Hall, Übersetzung: Albrecht Thiemann

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