Kontroversen um ­einen Visionär

Achim Freyer schließt in Los Angeles einen großartigen «Ring»-Zyklus ab. Doch nicht alle Zuschauer, Künstler und Politiker klatschen Beifall

Im April schloss sich mit «Götterdämmerung» an der Los Angeles Opera der erste «Ring»-Zyklus in der Geschichte der Stadt. Mit vorausschauendem Blick auf drei komplette «Ring»-Aufführungen im Mai und Juni dieses Jahres waren die einzelnen Teile der Tetralogie zwischen Februar 2009 und April 2010 einstudiert. Natürlich ist ein solches Unterfangen stets das Werk ganzer Heerscharen von Mitwirkenden, doch war zweifelsohne Achim Freyer der «Befehlshaber», der die Fantasie des Publikums am stärksten beflügelte und herausforderte.

Der Regisseur und Bühnenbildner bediente sich dabei einer bunten, gänzlich eigenen Symbolsprache mit zuweilen erhabenen, dann wieder karnevalesken Bildern und Aktionen. Von «Konzept» keine Spur. Ein Narr, wer versuchen wollte, Freyers Spektakel in ein anderes Idiom zu übersetzen. Einige Zuschauer beobachteten das Geschehen auf der Bühne ratlos, andere suchten es mit geradezu erstaunlicher Lust und Leichtigkeit zu deuten.

Als «Götterdämmerung» an die Reihe kam, wusste das Publikum bereits, was zu erwarten war, wenngleich Freyer, wie gewohnt, immer noch ein paar Überraschungen in petto hatte. Jede Norn erschien mit Kopf und Torso aus einer kleinen Kugel, war somit ...

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Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 25
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen