Löffel für Löffel

Eine veritable Entdeckung und wie man sie verschenkt – Giuseppe Porsiles «Spartaco» beim Heidelberger «Winter in Schwetzingen»

Giuseppe Porsile (1680-1750) ist eine  der zahllosen Karteileichen der Musikgeschichte, und seinen Namen nie gehört zu haben, ist keine Schande – auch der «Bielefelder Katalog» kennt ihn nicht. Das Leben des aus Neapel stammenden Musikers war von Jugend an mit dem Schicksal der Habsburger verbunden – erst in Spanien, dann seit 1711 in Wien. Dort wurde er 1720 zum Hofkompositeur ernannt und schrieb zahllose Oratorien und Bühnenwerke, meist Serenaden und Festspiele aus Anlass der kaiserlichen Geburtstage.

Bei dem jetzt vom Heidelberger Theater entdeckten und zur Eröffnung der Wintersaison im Schwetzinger Rokoko-Theater erstmals seit 1726 wiederaufgeführten «Spartaco» handelt es sich allerdings um eine wirkliche Oper, ein abendfüllendes dramma per musica, das nicht an die gleichzeitigen Meisterwerke Händels heranreicht, aber auch nicht weit hinter ihnen zurückbleibt. Porsile hat es nicht nur verstanden, die Ansprüche der Solisten – darunter Stars wie Faustina Bordoni und Francesco Borosini – mit virtuoser Kehlkopfakrobatik zufriedenzustellen, sondern auch die Ohren der Zuhörer mit einschmeichelnder Melodik zu kitzeln. Wie bei Händel stiftet der subtil kolorierte, durchgearbeitete ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Uwe Schweikert

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