Blitzen, Glühen, Schneiden, Schmiegen

Live-Mitschnitte von Busonis «Doktor Faust» und Schrekers «Schatzgräber» aus München und Amsterdam

Wie treffend, wie irreführend hat Ferruccio Busoni den Begriff «Opernspiel» für seine «Doktor Faust»-Oper gewählt. Von der Leichtigkeit eines Spiels hat dieses Werk nichts. Busoni, der, trotz seiner Herkunft, seinem Temperament nach eher ein Nördler denn ein Südländer war, zergrübelt diese Oper – was passend ist, bei diesem Stoff. Und doch ist es ein Spiel. Busoni spielt mit Zitaten, mit dem Hörer, auch mit der Handlung, indem er sie in einzelne Szenen zerklüftet. Das Werk ist so etwas wie eine Versuchsanordnung.

Stringenz, motivische Brücken, rote Fäden spielen da eine Nebenrolle. Entsprechend türmt ­Tomas Netopil am Pult des Bayerischen Staatsorchesters die einzelnen Mosaiksteinchen auf- und neben­einander, bemüht sich darum, die Balance zu halten zwischen den Bedürfnissen der Vokalsolisten und der Funktion des Orchesterparts, so wie Busoni ihn sich vorstellte: als eigenständigen Kommentar.

Im Jahr 2008 kam «Doktor Faust» erstmals in München auf die Bühne. Der Live-Mitschnitt von den Opernfestspielen liegt nun auf drei CDs vor. Ob es klug war, die unvollendete Version Busonis an Stelle der Alternativschlüsse durch Jarnach oder Beaumont zu wählen, bleibe dahingestellt. Die ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Christoph Vratz