Liturgisches Drama

Frankfurt: Pizzetti: Murder in the Cathedral

Opernwelt - Logo

Müssen wir in Ildebrando Pizzettis 1958 an der Scala uraufgeführter Oper nach T. S. Eliots Schauspiel «Murder in the Cathedral» ein vergessenes Meisterwerk wiederentdecken? Die Verantwortlichen der Frankfurter Inszenierung – der Regisseur Keith Warner, der Dirigent Martyn Brabbins und der Protagonist John Tomlinson – sagen ja und führen mit ihrer verstörend eindrucksvollen Aufführung den überzeugenden Beweis.

In Eliots antike und mittelalterliche Vorbilder aufgreifendem Mysterienspiel geht es nur vordergründig um den Widerstreit zwischen weltlicher und kirchlicher Macht, der 1170 zur Ermordung des englischen Erzbischofs Thomas Becket in der Kathedrale von Canterbury führte. Thema des oratorischen Dramas ist vielmehr das Exempel eines Märtyrerschicksals – die Grenzsituation zwischen Leben und Tod – und seine Bedeutung für die Gläubigen. Wie im antiken Drama steht dem Protagonisten ein Chor gegenüber, der jedoch nicht neutral das Geschehen kommentiert, sondern Zeuge und Betroffener zugleich ist: die armen Frauen von Canterbury. In der abschließenden Hymne auf Thomas wird der Sinn seines Martyriums benannt: die segenspendende Kraft des selbstlosen Opfers.

Keith Warner sowie seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps, Juni 2011

ARTE
1./7./13.6. – 6.00 Uhr
Arturo Benedetti Michelangeli
spielt Debussy: Préludes.

2.6. – 6.05 Uhr
8.6. – 6.00 Uhr
14.6. – 6.10 Uhr
Orlando di Lasso: Lagrime di San Pietro.
Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe.

3.6. – 6.00 Uhr
Thomas Quasthoff singt
Mahler: Kindertotenlieder. Sächsische Staatskapelle Dresden, Zubin Mehta.

3.6. – 16.20 Uhr
Die Pariser Opéra Garnier.
Dokume...

Alles muss gezeigt werden

Dass der zweite Teil des neuen «Ring» an der Metropolitan Opera weniger enttäuschte als der (dürftig besuchte) «Rheingold»-Auftakt im letzten September, ist kaum überraschend. Die «Walküre» war durch die Bank stärker besetzt, wenngleich Deborah Voigts stimmliche Verfassung bei der Gestaltung der Titelrolle durchaus Wünsche offen ließ. Geprägt wird dieser «Ring»...

Je grausamer, desto schöner

Eine Story wie aus einem Boulevard-Blatt: Ein Haus steht zum Verkauf. Nadja, deren Eltern kürzlich verstorben sind, führt die Interessenten in Begleitung des Maklers Axel Freund durchs Haus. Als Nachbarn enthüllen, dass hier Blut geflossen ist – Nadjas Mutter erstach ihren Mann, bevor sie sich selbst das Leben nahm, denn Nadja «stand wohl dem Vater zu nah» –...