Lieder der deutschen Romantik

Matthias Goerne, Simon Keenlyside und Bernarda Fink singen Schubert, Schumann und Brahms

Matthias Goerne hat in seiner Edition von Schubert-Liedern die vierte Folge vorgelegt. Wie schon in den ersten beiden Folgen kombiniert er populäre und unbekannte Lieder zu einer bunten, sehr persönlichen Mischung – diesmal unter dem Titel «Heliopolis» Vertonungen u. a. von Gedichten Goethes, Schillers und Mayrhofers, die sich mehrheitlich, wenn auch nicht ausschließlich antiken Themen zuwenden.

Im Vergleich mit Christian Gerhaher, seinem schärfsten Konkurrenten im Liedgesang, verfügt Goerne über die fülligere, kompaktere, wärmere Stimme – einen Bariton, der bis in die Bassregion hinunterreicht, dort allerdings manchmal, so im Mayrhofer-Lied «Heliopolis», zu unangenehmem Dröhnen neigt. Aber Goerne kann seinen Ton auch ganz leicht machen und hell einfärben – am überzeugendsten in der silbrig zurückhaltenden, kontrollierten Wiedergabe von Goethes Ballade «Der König in Thule», die hier zum schlicht artikulierten Erzähllied wird. Am besten kommt Goernes verhangenes Timbre und damit auch sein gebremstes Temperament in schwermütig-depressiven Liedern zu Geltung, wie gleich eingangs in Schuberts Vertonung eines Fragments aus Schillers Gedicht «Die Götter Griechenlands», einer ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/CDs/DVDs, Seite 33
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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