Liebesstürme
«Wer wärmt mich, wer liebt mich noch? Gebt heiße Hände! Gebt Herzens-Kohlenbecken!», klagt Ariadne in Nietzsches «Dionysos-Dithyramben» – Verse, mit denen Wolfgang Rihms Szenarie «Aria/Ariadne» aus dem Jahr 2001 beginnt. Um unerwiderte Liebe geht es auch in den beiden anderen Liedkompositionen der neuesten CD von Juliane Banse, Hans Werner Henzes «Nachtstücke und Arien» und Aribert Reimanns «Drei Gedichte der Sappho».
Rihms kleines Monodrama für Sopran und Kammerorchester durchmisst in einer für den Komponisten typischen Symbiose von Wort und Ton alle Bereiche des Ausdrucks, alle Emotionen einer Frau, die von Dionysos lieber gemartert, lieber zugrunde gerichtet als ungeliebt und verlassen sein will. Seine Rhetorik der Textbehandlung erinnert dabei von ferne an Monteverdis recitar cantando, denn sie beharrt auf einer Worttreue und Textverständlichkeit, die, im Vergleich zur Avantgarde, geradezu altmodisch anmutet. Das wird schlagartig deutlich im Kontrast mit Reimanns fast gleichzeitig entstandener Sappho-Vertonung in der Übertragung durch Walter Jens. Sapphos Sturm der Liebe, der ungestillt bleibt, kristallisiert sich hier in großen Intervallsprüngen und, vor allem im mittleren der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2017
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Uwe Schweikert
Tröstliche Botschaften hält Alexander von Zemlinskys «Der Zwerg» nicht bereit. Der 1922 uraufgeführte Einakter beschreibt die zynischen Herrschaftsmechanismen am spanischen Königshof des 16. Jahrhunderts, die einen Kleinwüchsigen zum Spielball der dekadenten Hofgesellschaft herabwürdigen. Der Infantin Donna Clara zum Geburtstag geschenkt, wird ihm weisgemacht, er...
Für sein Janáček-Projekt «Das schlaue Füchslein» war der junge Brüsseler Regisseur Christophe Coppens (er zeichnet auch für die Kostüme und, zusammen mit einem Architektenteam, für die Bühnenherrichtung) auf eine aktuelle Ausweichspielstätte des renovierungsbedürftigen Stammhauses verwiesen. Die Bezeichnung «Palais Tour & Taxis» klingt zwar klassisch-feudal, aber...
Stockholm oder Boston? Der stellvertretende Hausherr entscheidet sich zunächst für einen italienischen Operettenstaat, was im ersten Bild zu den üblichen Augenschmerzen führt. Danach hat Operndirektor Horst Kupich, der diesen Verdi eigenhändig inszeniert, seinem Ausstatter weitgehend Farbenverbot verordnet: nur noch rot und schwarz, dazu etwas weiß! Die Sache läuft...
