Liebe in den Zeiten des Todes

Korngolds «Die tote Stadt» an der Finnischen Nationaloper in Helsinki, inszeniert von Kasper Holten, dirigiert von Mikko Franck, mit Camilla Nylund und Klaus Florian Vogt

Traumwelt: Welt der Verdrängung, des Subtextes, der Reise in Vorzeiten. Wie es sich anfühlt, diese Welt zu betreten, hat der Philosoph Christoph Türcke höchst anschaulich formuliert.

Sich auf den Traum einlassen, schreibt er gleich zu Beginn seines faszinierend eigensinnigen Buches «Die Philosophie des Traums», «heißt in den Untergrund gehen: allen festen Halt preisgeben, den das Establishment eingeschliffener Sitten und Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Denkformen zu bieten pflegt, und abtauchen in jene Vorzeit, jene disparate, diffuse halluzinatorische Empfindungs- und Bilderwelt, aus der menschliche Kultur sich einst mühsam erhoben hat».

In solch einer flirrend-verrätselten Welt lebt Paul, der Antiheld aus «Die tote Stadt». Er lebt in der Vergangenheit, in der seine Angebetete Marie noch lebendig war. Nicht eine Sekunde will es dem jungen Mann gelingen, diese Welt und ihre weibliche Magie zu verlassen. Er hat sich in ihr eingenistet wie in einem Museum der Erinnerung.

Kasper Holtens fantasiereich-schwärmerische Inszenierung an der Finnischen National-
oper erzählt davon. Sie erzählt die Oper als Allegorie eines Totenkults, als Allegorie aber auch einer bis weit über den Tod hinaus ...

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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten

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