Licht im Darkroom

Berlin: Deutsche Oper: Mozart: Don Giovanni

Gutfinden ist für Kritiker ein schwieriges Geschäft. Wer es wagt, eine Produktion zu loben, die sonst als geistlos abgewatscht wird, muss davon ausgehen, anschließend von Kollegen darum gebeten zu werden, ihnen das doch bitteschön mal persönlich zu begründen. Auch der neue «Don Giovanni» an der Deutschen Oper Berlin, von vielen Kritikern verrissen, evoziert in dem, der die Inszenierung zu schätzen weiß, eine leichte Vision von Klassenkeile.

Es hilft aber nichts: Von den drei Arbeiten Roland Schwabs an der Deutschen Oper ist dieser «Don Giovanni» (nach «Mozart-Fragmente» und «Tiefland») die geschlossenste und beste.

Als letztes Manifest des Antifeminismus, als männliche Projektion von Allmacht, Sexsucht und Frauenverschleiß präsentiert sich hier Mozarts Dramma giocoso. Dieser Don Giovanni will nur das eine. Mit einem Heer golfender Fans hinter sich, die jede seiner Bewegungen kopieren, ist dieses finstere Idol Wunsch- und Zerrbild scheinaufgeklärter Männlichkeit. Das Fest zum Lobe der Freiheit weist ihm den Weg zur Hölle. Das Abendessen mit dem untoten Komtur wird als lebendes Bild von Leonardos «Letztem Abendmal» als jenes Sakrileg entlarvt, das es ist. Dazwischen verweist der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vom Scheinsieg der Kunst

Geschäftig wuseln die Streicher des RSO Wien, von Dirigent Bertrand de Billy energisch angetrieben, in den ersten Takten von «Ariadne auf Naxos». Beflissen eilt diese Musik voraus, möchte den Hörer führen wie der diensteifrige Einheimische den ortsunkundigen Fremden.

Doch wohin? Zunächst in einen «tiefen, kaum möblierten und dürftig erleuchteten Raum im Hause eines...

Hochseekrimi

Detlev Glanert gehört zu den wichtigsten Opernkomponisten der mittleren Generation. Wie fast alle seine zwölf vorausgegangenen Bühnenwerke beruht auch sein jüngster Einakter «Das Holzschiff» auf einer literarischen Vorlage, dem ersten Teil der Romantrilogie «Fluss ohne Ufer» von Hans Henny Jahnn. Der große Poète-maudit der deutschen Literatur erzählt in dieser...

Ein Abschied mit Aplomb

Als Christine Mielitz in Dortmund vor acht Jahren als Opernchefin antrat, übernahm sie kein leichtes Erbe. Der Spielplan ihres Vorgängers John Dew hatte sich zuletzt vor allem der Ausgrabung vergessener Werke des französischen Repertoires des 19. und 20. Jahrhunderts verschrieben, was ihm Lob der Presse einbrachte. Die Auslastung aber sank, und die Abos gingen...