Lektüre fürs Nachtkästchen
Two for the Price of One» lautet ein bekannter ABBA-Song. Dabei bedienten sich die Schweden des traditionellen englischen Marktschreiers, der auf zwei Schnäppchen zum Einheitspreis verweisen möchte – was der Duden mit «aus eins mach zwei» nur unzureichend übersetzt. Wie dem auch sei: Bei Heinz Irrgehers «Wiener OPERNg’schichten» denkt man sogar an three for the price of one, bietet der Autor auf rund 230 Seiten doch im Grunde drei Bücher an – nicht als Schnäppchen, sondern als erfrischendes Capriccio.
Da ist zunächst das sehr persönliche Curriculum Vitae dieses promovierten Juristen, Bankkaufmanns, Opernliebhabers, langjährigen Präsidenten der mächtigen «Freunde der Wiener Staatsoper» und studierten Musikwissenschaftlers (Letzteres als Pensionist!), zu dem auch amüsante, wenngleich im Niveau unterschiedliche Anekdoten gehören. Die zweite Ebene umfasst seine Kommentare zur Politik in und um die Oper am Ring – inklusive der einen oder anderen sehr persönlichen Abrechnung (nicht immer mit Namensnennung, doch jedem mit den Wiener Praktiken und Usancen einigermaßen Vertrauten dürfte klar sein, um wen es sich jeweils handelt). Die dritte Ebene bildet der künstlerisch-ästhetische ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Gerhard Persché
Roms Glaube ohne Worte!» wollte Friedrich Nietzsche in Richard Wagners «Parsifal» gehört haben, nachdem er vom Verehrer zum Intimfeind des Bayreuther Meisters mutiert war und auf dessen kunstreligiöse Anwandlungen nebst Keuschheitsethik nur mehr mit Bissigkeit antworten konnte. Um die böse Sentenz des Philosophen bloß nicht zu bestätigen, tilgt Michael Thalheimer...
Es hat seine Richtigkeit, dass das Meer in Deborah Warners «Peter Grimes»-Inszenierung, die nach Madrid 2021 und London 2022 jetzt im Pariser Palais Garnier Premiere hatte, unsichtbar bleibt. Allenfalls sind Gischt und Wellen hinter der vom Bühnenvorderrand rückwärts ansteigenden grobgrauen Rampe zu erahnen, als ob es unterhalb dieser Klippe brodelte. In den...
Ihr Glanz und ebenso ihr Elend ist hinreichend, mit staunenswerter Grandezza beschrieben worden. Und nicht erst im gleichnamigen Roman warf Honoré de Balzac im Frankreich des Bürgerkönigs Louis-Philippe, der nach der Julirevolution 1830 auf den Thron gespült worden war, einen liebevoll-strengen, zugleich zarten Blick auf die Kurtisanen von Paris. Schon im parallel...
