Leidenskitsch

Thomas Morses «Frau Schindler» tappt am Münchner Gärtnerplatztheater in (zu) viele Fallen

Erkenntnis und Verstehen, das erhofft man sich von der Zuwendung zu den Randfiguren. Weil sich die Protagonisten des braunen Grauens der nachvollziehenden Abbildung sperren – es sei denn, man treibt alles wie weiland Charlie Chaplin beim «Großen Diktator» in die Groteske. Insofern steht diese Oper in einer guten Tradition. Emilie Schindler, das ist jene Frau, die hinter den Taten ihren Mannes Oskar verschwand. Und dies, obwohl sie ebenso viel unternahm für die Rettung der Juden.

Verhärmt und verlassen von ihrem seitenspringenden Gatten, lebte sie nach dem Krieg in der Nähe von Buenos Aires. Steven Spielberg schenkte ihr in «Schindlers Liste» vier Minuten, Komponist Thomas Morse nun im Auftrag des Gärtnerplatztheaters eine abendfüllende Oper.

Edel, lauter und rein ist diese Absicht. Doch Morse, Co-Librettist und Regisseur Kenneth Cazan sowie Ausstatter Kevin Knight sind in eine  Reihe von Fallen getappt. «Frau Schindler», uraufgeführt in der Münchner Reithalle, kommt über die Logik eines «melodramatischen Gefühlskinos», wie sie Albrecht Thiemann für die Inszenierung von Weinbergs «Passagierin» in Gelsenkirchen konstatierte, nicht hinaus (OW 3/ 2017). Es ist bezeichnend und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Kontrollierte Ekstase

Wie viel Pragmatismus verträgt dieses maßlose Werk? Erstaunlich viel. In Gelsenkirchen, das zwar eines der schönsten Musik-Theater des Landes stolz erhält, aber nicht als Hauptort der Wagnerpflege gelten kann, gräbt Intendant Michael Schulz überraschend wenig nach finsteren Subtexten, so wie Kollege Jens Daniel Herzog ein paar Kilometer Ruhrgebiet weiter in...

Fratzen der Frömmigkeit

In seinem berühmt-berüchtigten «Spiegel»-Interview 1967 (in dem er übrigens keineswegs gefordert hatte, die Opernhäuser «in die Luft zu sprengen») spottete Pierre Boulez, statt «Macht des Schicksals» zu dirigieren, würde er lieber spazierengehen, und «Rigoletto» in Zeffirelli-Manier sei schlicht «idiotisch». Aus der polaren Sicht der rigiden Nachkriegsavantgarde...

Was kommt...

SABINE DEVIEILHE
Als «Königin der Nacht» macht sie schwer Eindruck, so sprühend, leicht und virtuos fliegt sie in höchste Höhen. Doch besteht das Repertoire der jungen französischen Koloratursopranistin nicht nur aus Partien Mozarts. Auch in den Opern Debussys, Delibes’ und Poulencs ist sie zu Hause. Ein Gespräch

ALBERTO GINASTERA
Sein Name, sein Werk ist nur...