Leidenskitsch
Erkenntnis und Verstehen, das erhofft man sich von der Zuwendung zu den Randfiguren. Weil sich die Protagonisten des braunen Grauens der nachvollziehenden Abbildung sperren – es sei denn, man treibt alles wie weiland Charlie Chaplin beim «Großen Diktator» in die Groteske. Insofern steht diese Oper in einer guten Tradition. Emilie Schindler, das ist jene Frau, die hinter den Taten ihren Mannes Oskar verschwand. Und dies, obwohl sie ebenso viel unternahm für die Rettung der Juden.
Verhärmt und verlassen von ihrem seitenspringenden Gatten, lebte sie nach dem Krieg in der Nähe von Buenos Aires. Steven Spielberg schenkte ihr in «Schindlers Liste» vier Minuten, Komponist Thomas Morse nun im Auftrag des Gärtnerplatztheaters eine abendfüllende Oper.
Edel, lauter und rein ist diese Absicht. Doch Morse, Co-Librettist und Regisseur Kenneth Cazan sowie Ausstatter Kevin Knight sind in eine Reihe von Fallen getappt. «Frau Schindler», uraufgeführt in der Münchner Reithalle, kommt über die Logik eines «melodramatischen Gefühlskinos», wie sie Albrecht Thiemann für die Inszenierung von Weinbergs «Passagierin» in Gelsenkirchen konstatierte, nicht hinaus (OW 3/ 2017). Es ist bezeichnend und ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Markus Thiel
Neun Meter, das ist viel. Zu viel. Man bräuchte den Hals einer Giraffe, um ganz bis nach oben zu gelangen, und selbst dann wäre es noch schwierig, den Gipfel dieser Vitrine zu erklimmen, über 90 Bibelbilder hinweg. So also bleibt in der gotischen Kreuzkirche der beeindruckte Blick hinauf zur Spitze des berühmten Zittauer Fastentuches, vollendet anno Domini 1472...
Ein Aquarium ist ein Aquarium – ist mehr als ein Aquarium. Auf Małgorzata Szczęśniaks nach hinten aufsteigender, stark verschatteter, klaffender Bühne verwandelt es sich in einen blutgetränkten See. Mutiert zur Metapher einer katastrophischen Beziehung, der zu keiner Sekunde die Sonne schien. Mit einem Rasiermesser, das er als Barbier ohnehin bei sich führt, hat...
In Glasgow lässt sich der Frühling bitten. Zwar sprießen auch hier Narzissenbüschel, doch das helle Grün spart die nassen Wiesen aus, zögert vor Büschen und Bäumen. Den Kragen hochgeschlagen gegen Regenfäden, flüchten wir ins hellerleuchtete Theatre Royal, wo die Scottish Opera als Kontrapunkt zu Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» eine Uraufführung zeigt: Lliam...
