Leidenschaft aus Verantwortung

Leise, nachdenklich und hellhörig geht es auf seinen Proben zu. Die Arbeiten beziehen ihre Kraft aus der Verbindung von Präzision und Verinnerlichung: CHRISTOF LOY gehört zweifellos zu den führenden Regisseuren unserer Zeit. Im Theater an der Wien, wo er regelmäßig arbeitet, hat er zu Beginn der Saison die Uraufführung von Anno Schreiers «Hamlet» herausgebracht. In diesem Monat inszeniert er Giordanos «Fedora» an der Königlichen Oper in Stockholm. Ein Gespräch über Disziplin, Diven, die neue Lust am Verismo und Theater als moralische Anstalt

Herr Loy, Sie gelten unter den heute wichtigen Regisseuren als der große Diven-Versteher. Niemand hätte gedacht, dass Edita Gruberova so spielen kann wie bei Ihnen. Auch mit Jennifer Larmore sind Sie ganz neue Wege gegangen, ebenso mit Nina Stemme und Marlis Petersen. Und von Agneta Eichenholz hört man eigentlich immer nur, wenn Christof Loy inszeniert. Wie entwickeln sich solche Beziehungen?
Ich habe eine große Liebe zum Gesang, er inspiriert mich. Das gilt auch für Männerstimmen, zum Beispiel für Joseph Kaiser, der in Wien ein fantastischer Peter Grimes war.

Wenn Sängerinnen und Sänger spüren, dass ich sie wirklich schätze und einen Funken mehr aus ihnen herausholen möchte, als sie es gewohnt sind, dann lassen sie sich darauf ein. Sie fühlen sich getragen. Edita Gruberova zum Beispiel hat nach Produktionen mit Dieter Dorn und Jean-Pierre Ponnelle eine ähnlich intensive Arbeit lange vermisst – bis sie dann mich getroffen hat. Sie war richtig froh, dass Regie über die Beliebigkeit der Arrangements hinausging, in denen sie meist aufzutreten hatte. Meine Hochachtung vor den Sängern und ihrer Arbeit hat aber im Moment der Probe nichts mit Primadonnenverehrung zu tun. Es geht da eher um ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Interview, Seite 36
von Stephan Mösch

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