Lehár: Die lustige Witwe

Berlin

Natürlich bedarf es nicht eines runden Geburtstags, um Aribert Reimanns grandiosen «Lear» aufs Programm zu setzen – doch die Idee der Lindenoper, den Berliner Komponisten zum Siebzigs­ten mit einer Neuinszenierung seines Meisterwerks zu ehren, wäre eine schöne Geste gewesen. Dann allerdings steckte Intendant Peter Mussbach das bereits ange­kündigte Geschenk doch wieder weg und tauschte mit Blick auf das Einnahmesoll die Shakespeare-Vertonung gegen die «Lustige Witwe» aus.

Dem regieführenden Hausherrn gelang allerdings das Kunststück, auch Lehárs größten Hit zum Kassengift zu machen: Nach einer Premiere, die wegen fortgesetzten Wutgeheuls aus dem Saal mehrfach kurz vor dem Abbruch stand, blieb der einkalkulierte Ansturm auf die Tickets natürlich aus.
Operette, postuliert Mussbach, ist ein Taumel ohne Sinn und Verstand – und Pontevedro sowieso Absurdistan. Was von den Dialogen übrig ist, wird mit schwerer Zunge gelallt, eine nachvollziehbare Handlung findet nicht statt. Mussbach versucht nicht einmal, den Figuren Profil zu verleihen. Ersatzweise zappeln ununterbrochen Statisten über die Bühne, müssen die Choristen erst als Froschmänner, dann als Pinguine aufmarschieren.
Erich Wonder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 52
von Frederik Hanssen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Puccini: Tosca

Das heißeste Ticket der Londoner Opernsaison hatte einen Namen: Angela. Oder eher zwei: Angela Gheorghiu und Tosca. Denn die allürenhafte rumänische Starsopranistin, die einzig zur Covent Garden Opera noch weniger getrübte Beziehungen unterhält, trat mit einem spektakulären Rollendebüt in die Fußstapfen der Callas. Und das zweifach. Als Abschiedsgeschenk für die...

«Singing there is exactly like public speaking in England»

«Ein wundervolles Paar waren die Nibelungen Mime Herr Breuer und Alberich Herr Friedrichs. Doch beide verfielen oft aus dem Gesangston in den Sprechton, in ein vollständiges Deklamiren. So empfindlich ich sonst gegen solche Stilwidrigkeiten bin – hier kam etwas außerordentlich Charakteristisches dabei heraus. Ich würde dieses Umstandes gar nicht Erwähnung thun,...

Junge Racker und ihr Ende

Die Buh-Rufe waren berechtigt: Calixto Bieito hatte Strawin­skys «Rake» beim Festival im nordwestspanischen La Co­ruña als harm­lose Kinderspielzeug-Version angerichtet: ein riesiges Gummi-Disney­world, das knatschbunt selbst den Orchestergraben und das Proszenium umfasste. Hier ein bisschen Ritterburg mit Türmchen, da ein paar phallische Pilze, hier ein Kissen,...