Leben ohne Urlaubsschein

Nur ein paar Jahre hielt es sie in Ensembles, dann ging sie eigene Wege. Der Schritt in die Freiheit war riskant, aber bereut hat ihn ROBIN JOHANNSEN nie. So kann sich die amerikanische Sopranistin ganz auf das Repertoire konzentrieren, das ihrer Stimme am besten liegt: Barockmusik, Mozart und ein bisschen Belcanto

Frau Johannsen, kaum jemand gibt in jungen Jahren eine feste Stelle auf, weil das Repertoire nicht ideal ist. Sie haben es trotzdem riskiert. Warum?
Ich hörte von den verschiedensten Seiten immer wieder: «Du solltest mehr Barock singen!» Tatsächlich war es, wenn ich Händels «Messias» sang, immer so, als ob ich das den ganzen Tag tun könnte. Aber fest an einem Opernhaus hätte ich dieses Repertoire nicht realisieren können. Eine große Inspiration war Alessandro De Marchi, der mich für Händels «Teseo» an der Komischen Oper Berlin engagiert hatte.

Er meinte: «Barock ist wie Jazz, es darf nicht zu perfekt klingen.» Er ermunterte uns, mehr Rubato und mehr Verzierungen zu riskieren und nicht genau auf den Schlag, sondern ein wenig später oder früher einzusetzen. Diese Freiheiten gefielen mir sehr. Außerdem mag ich Barockorchester und ihre Musiker. Die erscheinen manchmal sogar barfuß bei den Proben ...

Was hat Sie 2002 nach Deutschland geführt?
Der Grund war ein Alberto Vilar-Stipendium für die Deutsche Oper Berlin. Ich hatte dafür in New York vorgesungen, bei Kevin McCutcheon, dem Solo-Repetitor der Deutschen Oper, der mich bis heute coacht. Er war extra aus Berlin angereist. Ein Jahr ...

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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Interview, Seite 30
von Kai Luehrs-Kaiser

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56. Jahrgang, Nr 2
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