Leben in der Metarealität

Seit fünf Jahren betreibt das Europäische Netzwerk der Opernakademien konzertierte Nachwuchsförderung – zum Geburtstag mit einer Fantasmagorie im belgischen Mons

Alle benutzen die griffige Abkürzung: ENOA. Das steht für «European Network of Opera Academies». Zusammengeschlossen hat man sich, um zwei Ziele zu verfolgen: Jungen Sängern, Regisseuren, Komponisten, Dirigenten und Orchestermusikern will man ein internationales Podium bieten; außerdem die Diskussion um die Zukunft der Gattung befördern. Vor allem aber ist ENOA eine Organisationsplattform, die Koproduktionen anregt und ermöglicht.

Der programmatische Input kommt derzeit von elf beteiligten Institutionen: Akademien und Hochschulen in München, Brüssel, Verona und Madrid, der Gulbenkian-Stiftung in Lissabon, dem Musiktheater LOD in Gent, den Festivals in Aix-en-Provence und Aldeburgh (die eigene Nachwuchsförderung betreiben) sowie den Nationalopern in Amsterdam, Warschau und Riga. Das garantiert ein breitgefächertes Angebot an Workshops und Produktionen, die nicht aufs Standardrepertoire zielen, sondern Vergessenes ans Licht holen oder neue Spielformen erproben. Das gilt auch für «L’autre Hiver», ein joint venture des Musiktheaters LOD und der Gulbenkian-Stiftung.

Die opéra fantasmagorique trägt den Untertitel «Un Rêve de Verlaine». Tatsächlich geht die Handlung gleichsam durch einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Ingo Dorfmüller

Weitere Beiträge
Sperriges Meisterwerk

Kaum zu fassen, dass das Publikum der Pariser Opéra Bastille ganze 112 Jahre auf Ernest Chaussons Meisterwerk «Le Roi Arthus» warten musste! Die Oper wurde 1903 am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel uraufgeführt, kam also ein Jahr nach Debussys «Pelléas et Mélisande» heraus – und vier Jahre, nachdem der Komponist mit seinem Fahrrad verunglückt war. Chaussons...

Inselfunde

Dokumente englischer Gesangskunst stehen im Fokus des britischen Labels Heritage Records – nicht nur Wiederveröffentlichungen bekannten Materials wie die frühen HMV-Aufnahmen von Peter Pears und Benjamin Britten, sondern auch Interpreten, die neu zu entdecken sich lohnt.

Die in Schottland geborene Isobel Baillie (1895-1983) war im Bereich Konzertsektor für einige...

Fliehkräfte

Das lange Sterben Violettas beginnt bereits bei geschlossenem Vorhang, mit den ersten Tönen des Preludio, Vorecho jenes zerbrechlichen Klanggespinstes in den hohen Violinen, das auch den letzten Akt von «La traviata» eröffnet und prägt. Es liegt nahe, Verdis Vorgriff auf das Ende der Oper auch szenisch zu realisieren. Genau das macht Rolando Villazón in seiner...