«Le Freischütz»
Die Inszenierung ist schnell vergessen, obwohl der Ansatz interessant ist. Nichts Naturalistisches, kein Krieg, kein Kino, kein deutscher Stummfilm. Dan Jemmett hat sich für einen Rummelplatz entschieden. Vor der Schießbude von Kuno & Co kommt fast ein wenig Horváth à la «Kasimir und Karoline» auf. Das anfängliche Preisschießen macht noch neugierig, auch der Schaustellerwagen für die Damen im Försterhaus ist konsequent.
Doch statt die Wolfsschlucht folgerichtig in einer Geisterbahn spielen zu lassen, geht die Inszenierung mit ein wenig platter Rosensymbolik einfach im Banal-Affirmativen verloren.
Doch der musikalische Eindruck bleibt, denn er war hoch bedeutend. Die Pariser Opéra Comique, seit der Intendanzübernahme durch Jérôme Deschamps wieder etwas entdeckerfreudiger, hat ein Werk herausgebracht, das zwar spezifisch französisch ist, aber eigentlich quer zur hauseigenen Tradition steht. Schließlich wurde Carl Maria von Webers Hit 1841 eigens für die Opéra adaptiert, das heißt für die dort geltenden strengen Regeln mit Rezitativen versehen und mit der obligaten Balletteinlage aufgehübscht. Das würde heute wohl kaum einer mehr spielen, wie so viele durch die Zensur oder die ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Manuel Brug
Monsieur Dorny, Sie sind 2003 nach Lyon gekommen. Haben Sie erreicht, was Sie sich damals für dieses Opernhaus vorgenommen hatten?
Ein gutes Stück davon habe ich schon geschafft, denke ich. Lyon war in den achtziger und neunziger Jahren mit Chefdirigenten wie John Eliot Gardiner und Kent Nagano ein Haus mit großer Ausstrahlung über die Grenzen Frankreichs hinaus. Es...
«12 musiktheatralische tableaux» kündigt der Untertitel von Christian Josts Musiktheaterwerk «Hamlet» an – solcherart andeutend, dass er die Handlung zuzuspitzen sucht: auf charakteristische Momente, in denen die Essenz des Ganzen fassbar wäre. Das freilich würde voraussetzen, dass man sich für eine vieler denkbarer Lesarten entschiede: Soll es um die politische,...
Frau Breth, «Wozzeck» war Ihre erste Opernregie in Berlin. Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie deswegen nervös werden. Oder doch?
Stimmt, es ist mir relativ wurscht, wo ich inszeniere. Die Bedingungen müssen gut sein. Mich interessieren das Werk, der Dirigent und die Sänger. Das kann sonstwo sein.
«Wozzeck» ist ein einsames Meisterwerk. Vereinfacht das Ihre...
