Lauter Aufbrüche

Die finnische Nationaloper glänzt mit neuem Musiktheater und Karita Mattilas Tosca-Debüt

Puccini als Einnahmequelle. Wenige Rollen dürften zur Alters­sicherung einer erfolgreichen Sängerin so gut taugen wie die auf offener Bühne ausgetrickste – und sich da­für schon vorher bitter rä­chende – Floria Tosca. Als Rückzugspartie für den gepflegten Diven-Ausstand haben zahlreiche Sängerinnen die Rolle lange gesungen – jeder Melomane bewahrt Erinnerungen an Sopranistinnen in seinem Herzen, die er zwar kaum noch, als Tosca aber doch noch live hö­ren durfte. Anders gesagt: Es tut gut, ein «Tosca»-­Debüt bei guten, ja besten Jahren einer Sängerin zu erleben.


Karita Mattila, nach Fortschritten zu Salome und Jenufa, liefert als Tosca ein Porträt von ebenmäßig gerundeter, gesund individualisierter und meist berü­ckender Strahlkraft. Die tränenden Hö­hen ihres «Vissi d’arte» gehören keinem Bravourstück, sondern dem Bekenntnis einer melancholisch angeschlagenen Kämpfernatur. Bei «Mario, Mario» dunkelt und dickt sie die Vokale leicht ein. Manches Legato schliert, bei Impulslauten wie in «Aspetta» merkt man Krafteinsatz und Überfülle des Atems. Aber: Welche Prachtentfaltung pastell­artig gedeckter Farben, dunkler Untergründe und weiblicher Konflikte. Als Scarpia sich ihr nähert, kostet ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
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