Langeweile in Elysium
Ein historischer Moment: Mit der Premiere der «Gezeichneten» in Los Angeles kam erstmals in der Neuen Welt eine Oper von Franz Schreker zur Aufführung. Und auch die zweite amerikanische Schreker-Premiere steht bereits bevor: Im Rahmen des Bard SummerScape Festivals vor den Toren New Yorks ist für den 30. Juli seine frühe Oper «Der ferne Klang» angesagt.
«Die Gezeichneten» bilden den neuesten Beitrag der Serie «Recovered Voices», die James Conlon, der Musikalische Leiter der Los Angeles Opera, konzipierte, um seinem Publikum Komponisten zu präsentieren, die während des Dritten Reichs unterdrückt oder mit Aufführungsverbot belegt worden waren. Conlon betrachtet sein Projekt als moralische Verpflichtung, und dies wohl kaum zu Unrecht. Ob die Zeit jetzt reif ist für «Die Gezeichneten», eine Oper, die einst ein rasanter Erfolg war und zwischen 1918 und 1930 Aufführungen auf 22 verschiedenen europäischen Bühnen erlebte, ist eine andere Frage.
Conlon lag, was etwaige Kürzungen anging, im offenen Clinch mit Regisseur Ian Judge: Entgegen der (stichhaltigen?) Einschätzung von Judge bestand Conlon darauf, das Werk in voller Länge zu geben, was für einen sehr ausgedehnten Opernabend sorgte. ...
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Herr Jansons, warum dirigieren Sie eigent-lich nicht häufiger Oper?
Ich würde es gern, dringend und unbedingt machen. Sie haben ja Recht. Es ist meine Leidenschaft. Aber schauen Sie: Ich habe Einladungen von verschiedenen Häusern bekommen. Dann lese ich: Orchesterproben beginnen an diesem und jenem Tag, Bühnenproben an einem anderen. Und wenn ich diese Phase und die...
Das Ende bleibt offen. Kein Trauerflor in Moll, kein Silberstreif, keine Erlösungsharmonie. Wie ein Fragment, wie eine Frage verweht der letzte B-Dur-Akkord. Eine Quinte und Quart, übereinander geschichtet, in der Tiefe; ein dreigestrichenes D und ein zweigestrichenes F dominieren die Höhe. Der Grundton, ins Abseits gedrängt. Als ob man diesem Akkord nicht trauen...
Als Händel 1751 sein Oratorium «Jephta» schrieb, war die Welt des Ancien Régime noch intakt: Während dreißig Jahre später Mozarts Idomeneo abdanken wird, nachdem ihn das Eingreifen Gottes an der Opferung seines Kindes gehindert hat, ist bei Händel der himmlische Gnadenakt noch die Bestätigung herrscherlicher Autorität. Der Monarch, der die Treue gegenüber seinem...
