Land unter

Weimar, Reimann: Melusine

Opernwelt - Logo

Aribert Reimanns zweite Oper «Melusine» wurde nach ihrer Uraufführung 1971 in Schwetzingen häufig nachgespielt und wirkte auch in Weimar immer noch frisch. Diese Melusine, die Yvan Goll, von seiner Frau Claire ­inspiriert, 1930 aus der Sagenvorzeit ins zwanzigste Jahrhundert holte, schimmert in Claus H. Hennebergs Lib­retto, vor allem aber in Reimanns Musik in vielen ­Farben. Geheimnisvoll, verführerisch kann Melusine die Männer verrückt machen, darf sie aber nicht lieben. Sonst ist der schöne Park, den sie so liebt, dahin.

Doch die Zerstörung der Natur hat längst begonnen und ist nicht aufzuhalten – in Reimanns zweistündigem Vier­akter geht es metaphorisch und grundsätzlich zur Sache: ein Opernmärchenreich zwischen Eros und Tod, ein paar Handbreit über der Wirklichkeit, aber immer in ­deren Sichtweite.
In den kurzen Orchesterzwischenspielen dräut streicher- und bläsergrundiert der Untergang einer ganzen Welt. Orchester und Stimmen entfalten sich oft kon­tras­tierend im nervösen Alltags-Parlando oder im teno­ral aufscheinenden Ausflippen des von Melusine betörten Architekten (Uwe Sickert). Und sie treffen sich im Liebesduett mit dem Graf von Lusignan (Mario Hoff). Melusine hat sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Joachim Lange

Vergriffen
Weitere Beiträge
In Schönheit sterben

Schon Monate vor ihrem Erscheinen hat diese Aufnahme die Klassikwelt zum Erzittern gebracht: Zur letzten Opern­produktion alten Stils, die sich seine Firma noch leisten könne, rief der inzwischen verabschiedete Artist & Repertoire-Direktor der EMI, Peter Alward, den neuen «Tristan» seines Hauses aus. Mit der über zehn Jahre geplanten und 750 000 Euro teuren...

Ästhetik des Unverbindlichen

Inwieweit Carl Eberts Mozart-Inszenierungen, mit denen die Festspiele in Glyndebourne in den dreißiger Jahren eingeleitet und schlag­artig berühmt wurden, einem kritischen Blick von heute standhalten würden, lässt sich aus Mangel an Filmdokumenten nicht sagen. Doch dass die musikalischen Interpretationen Fritz Buschs über Jahrzehnte ihren maßstäb­lichen Charakter...

Viele Valeurs

Leider ist Lioba Braun nicht mehr in Bayreuth präsent, singt Ortrud und Brangäne nun in Dresden, Fricka in Neapel oder Venus in Los Angeles. Doch auf ihrer ersten Solo-CD bei Sony sind nun ihre Sieglinde, Kundry, Waltraute und – neben den betörend erotisch, ja strahlend gesungenen Wesendonck-Liedern – auch das «Tristan»-Vorspiel und Isoldes Lie­bes­tod als...