Tschaikowsky: Pique Dame

Oldenburg

Es gibt sie noch, die klangsensiblen Regisseure. Zwar richtet im Schlussbild der «Pique Dame» Fürst Jeletzky auf Hermann die Pistole, um ihn zu erschießen – aber kein lauter Knall zerreißt das musikalische Geflecht. Stattdessen verschwindet der bankrotte Spieler still durch eine Tür, während der Chor in oratorienhafter Erstarrung sein Todesgebet singt. Sehr feinsinnig gesehen ist das von Gabriele Rech, wie überhaupt ihre Personenführung, trotz der naturgemäß eher grellen Volks- und Soldatenszenen des fast ungekürzt gespielten Werks, bemerkenswert viele leise Stellen aufweist.

Ganz besonders in dem großen Auftritt der alten Gräfin im zweiten Akt, die in Ariane Arcojas intensiver Darstellung zum Psychogramm menschlichen Verfalls wird, schwankend zwischen Kraftlosigkeit und Momenten, in denen die Erinnerung dem senilen Körper neue Vitalität zu verleihen scheint. Ihren Höhepunkt findet die Szene in einer überraschenden Wendung, wenn Hermanns Erscheinen im Schlafzimmer bei der Greisin zunächst kein Erschrecken hervorruft, sondern das Glücksgefühl, noch einmal, wie in den gloriosen Zeiten ihrer Vergangenheit, einen Kavalier vor sich zu sehen, der sie umwirbt.
Zeitlich siedeln die ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 52
von Gerhart Asche

Vergriffen